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    Fatuity
    The cake is a lie!

   
22.04.2009 - 13:12 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Die Zugfahrt

56 Stunden können so kurz sein


Ein Haufen Leute haben mich ja für verrückt erklärt mit dem Zug drei Tage durch Europa zu fahren, aber die Zugfahrt war wirklich alles andere als schlimm. Insgesamt hat sie zwar über 50 Stunden gedauert, aber die Zeit ist echt schnell vergangen.
Die erste Etappe bis Budapest war ja noch im österreichischen RailJet, der schon ein echt schöner Zug ist. Unterwegs wird man sogar über die aktuelle Position, Geschwindigkeit und solche Dinge informiert. Die zwei Stunden Aufenthalt in Budapest waren auch kein echtes Problem, außer dass ich mir in den neuen Schuhen natürlich gleich wieder Blasen gelaufen habe. Unseren nächsten Zug haben wir erstaunlicherweise auch zügig gefunden und das ohne irgendein Wort sprechen zu können – und nein, Englisch spricht hier niemand.
Der zweite Zug war ein echter russischer Zug, mit Teppichen, Blumen in den Waggons und pro Abteil drei Betten. Jedes Abteil hatte ein eigenes Waschbecken mit Spiegel. Jeder Waggon hatte wiederum einen eigenen Zugbegleiter (in unserem Fall weiblich), der einen mit Tee, Kaffee und Nahrung versorgt. Ein Tee kostet etwa 10 Cent, allerdings hatten wir kein Ungarisches Geld. Etwas seltsam ist noch, dass die Fahrkarten generell eingesammelt und erst beim Aussteigen wieder ausgegeben werden.
Um Mitternacht wurden unsere sanften Träume dann abrupt von den ukrainischen Grenzbeamten beendet, für die muss man vorher auch eine Migrationskarte ausfüllen. Danach war dann der Umspurvorgang, ansich nicht sonderlich spektakulär, aber doch interessant. Für die, die es nicht wissen: Die „östlichen“ Länder haben eine andere Spurweite (nicht 1435mm), deswegen müssen irgendwann beim gesamten Zug die Drehgestelle getauscht werden. Außerdem haben die Russen auch noch andere Kupplungen, die werden also auch getauscht.
  Am nächsten Tag sind wir dann in Lemberg (Lvov) angekommen und wollten auch gleich in die sagenumwobene, schöne Altstadt. Irgendwie war unsere Suche aber nicht so richtig von Erfolg gekrönt, außer einer großen Kirche haben wir jedenfalls nichts berauschendes gefunden, sind aber knapp fünf Stunden zu Fuß und mit vollem Gepäck durch Lemberg getourt. Die Schultern haben mir davon noch am nächsten Tag weh getan.
Nach unserer grandiosen Stadtbesichtigung sind wir dann in den – wie wir glaubten – vorletzten Zug eingestiegen. Dieser hat uns dann 28 Stunden durch die Ukraine und Südrussland gefahren. Vom Innenraum war der nicht ganz so nett, aber schon toll. Wir hatten zu dritt ein Viererabteil, also zur Abwechslung genug Platz für unsere gigantischen Taschen. In den Zug haben wir zwei Kinder (und ihre Begleitung) kenne gelernt. Die beiden haben von da an die gesamte Zeit versucht uns irgendwelche russischen Wörter einzutrichtern, was dann doch irgendwann etwas nervig wurde.
Kurz bevor wir aussteigen wollten, kamen unsere Mitreisenden auf die „Idee“, dass es ja total doof sei, in Taganrog umzusteigen, weil unser momentaner Zug ja auch nach Rostov fahre, nur eben zu einem anderen Bahnhof. Sie haben dann unsere Kontaktperson angerufen und nach ein paar Telefonaten und einer Unterredung mit der Zugbegleiterin sind wir dann in dem Zug geblieben.
Unsere Reise ging dann folgendermaßen weiter: Wir sind in Rostov ausgestiegen, haben uns verabschiedet und sind dann zum Onkel eines der Kinder ins Auto (Mercedes Vito) gestiegen und unter den Klängen russischen Gangsterraps zum Hauptbahnhof gefahren. Da hat unsere eigentliche Kontaktperson gewartet und mit deren Golf sind wir und unsere zwei Kubikmeter Gepäck, dann nach Nowotscherkassk, direkt zum Wohnheim gefahren.




Der RailJet im Münchner Hauptbahnhof vor meiner Abfahrt


Der Gang des zweiten Zuges von Budapest nach Lvov


Unser randvolles Abteil (rechts oben musste noch jemand schlafen)


Drehgestellwechsel, irgendwo im Niemandsland um Mitternacht


Irgendwelche Landschaft, irgendwo in der Ukraine


Die Vorderseite der großen Kirche in Lemberg


Die Figur auf der Spitze der Kirche


Der Bahnhof von Lemberg


Garagensiedlung irgendwo hinter Lemberg


Weitere ukrainische Landschaft


So eine Teetasse bekommt man in russischen Zügen

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:52 Uhr.

Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben. Aber die zweite liegt an dir und sonst niemandem.
 
 
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25.04.2009 - 18:50 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Ankunft und das Wohnheim

Mein Zuhause für sechs Monate


Das Wohnheim kann man ohne Probleme als Zweckbau beschreiben. Alle Stockwerke und Zimmer sind exakt gleich aufgebaut, lediglich im Erdgeschoss ist alles etwas anders.
Bei unserer Ankunft hat Paul schon zusammen mit Omar und Alexandra (Sascha) auf uns gewartet. Omar ist ein Kurde aus dem Irak, der hier seinen Doktor macht und schon alle deutschen Gruppen „betreut“ hat. Er hat auch für uns eine große Wanne mit vielen nützlichen Gegenständen wie Töpfen, Geschirr, ... aufgehoben. Omar spricht sogar Englisch, was in der ersten Zeit sicherlich von Vorteil sein wird. Sascha ist die offizielle Betreuerin aller Austauschstudenten, verbringt aber 90% der Zeit mit den Deutschen. Sie spricht theoretisch auch deutsch, kann das aber sehr gut verstecken. Von Seiten des Lehrstuhls gibt es keinen Ansprechpartner.
Jeder von uns hat hier im Wohnheim ein eigenes Zimmer, wobei immer zwei Zimmer zu einer „Wohnung“ zusammengefasst sind. Eine solche Wohnung besteht aus besagten zwei Zimmern, einem kleinen und einem großen, mit je einem Kühlschrank und einem kleinen Badezimmer, aber keiner Kochmöglichkeit. Zum Kochen muss man einen Stock höher in den zweiten Stock. Leider wird die Küche dort auch als Raucherraum benutzt, so dass es nicht so direkt angenehm dort ist. Die kleinen Zimmer sind eigentlich für zwei Personen gedacht, die großen für drei. Ich habe hier ein großes Zimmer für mich alleine, was recht angenehm ist. Unser Bad ist dafür weniger angenehm, da direkt am Hauptabwasserrohr die Wandfließen fehlen, da dort anscheinend irgendwas repariert wurde, die Wand aber offen gelassen wurde. Überhaupt findet sich im gesamten Bad nichts, was wirklich fest wäre. Warmes Wasser gibt es nur bis Mitternacht, wahrscheinlich um die Leute am aufbleiben zu hindern. Dazu trägt auch die Regelung bei, dass das Wohnheim um elf Uhr zugesperrt wird. Wenn ich Heim komme bin ich auf jeden Fall Meister im Duschen mit fast gefrorenem Wasser. Mein Zimmer ist auf der Rückseite des Wohnheims, im linken Flügel mit wunderschönem Blick direkt auf die Mülltonnen, die sich nach spätestens zwei Tagen in einem riesigen Müllberg verwandeln, bevor irgendwann die Müllabfuhr den ganzen Plunder abholt. Bis dahin wühlen andauernd alte Leute, Hunde und Katzen im Müll.
  Jedes Stockwerk hat mehrere eigene Etagendamen, die sich Tageweise abwechseln und für „Ordnung“ sorgen. Will man länger als bis elf Uhr wegbleiben, muss man sich die richtige Etagendame („Wachter“) suchen und hoffen, dass sie so nett ist und extra aufsteht um die diversen Türen aufzuschließen. Als Dankeschön gibt man dann zum Beispiel eine bessere Tafel Schokolade. Da man mit einem derartigen Job nur etwa 1500 Rubel verdient, ist eine Tafel Schokolade für 150 Rubel einiges Wert.
In den Tagen nach unserer Ankunft wurden wir dann von Omar ausführlich in die Stadt und sonstige Begebenheiten eingeführt.




Die Landschaft am Ortseingang


Der große Schriftzug am Ortseingang von Nowotscherkassk (so schreibt man das auf russisch)


Das Wohnheim von außen - im Vordergrund die Trambahnhaltestelle


Das Schild, das erklärt, dass es sich hier um das zwölfte Wohnheim handelt, usw.


Mein Zimmer, kurz nach der Ankuft (daher die Unordnung)


Das wunderschöne Badezimmer, mit Loch zur Sanitärinstallation


Diesen wunderbaren Ausblick kann ich aus meinem Fenster genießen (inzwischen kommt die Müllabfuhr aber öfters)

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:55 Uhr.

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27.04.2009 - 14:28 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Stadt, Land, Uni

Erste Eindrücke aus dem größten Land der Erde


Nowotscherkassk hat etwa 200000 Einwohner und ist die vor 200 Jahren neu erbaute Hauptstadt der Don-Kosaken. Das alte Tscherkassk wurde zu häufig vom Don überflutet, so dass eine neue Stadt auf einem Hügel gegründet wurde, etwa 20 km von der alten Stadt entfernt.
Die Stadt ist für mitteleuropäische Verhältnisse ziemlich dreckig, in den Randgebieten sind nicht einmal die Straßen asphaltiert und der herumliegende Müll bestimmt das Straßenbild. Im Zentrum dagegen sind alle städtischen Gebäude komplett renoviert und auch an den sehr abenteuerlichen Gehwegen wird gearbeitet. Das Zentrum besteht im wesentlichen aus zwei großen Straßen, an denen die Geschäfte, die Verwaltung und der Markt angesiedelt sind. Außerdem gibt es natürlich den großen Campus der Universität, sowie die drittgrößte Kirche Russlands und einen Bahnhof.
Die Kirche steht auf der Hügelkuppe und wurde parallel zum Stadtbau gebaut. Während der Sowjetzeit wurde sie als Getreide- und Maschinenlager benutzt, bis vor kurzem aber auch komplett renoviert. Um die Kirche herum stehen außerdem noch diverse Statuen, zum Beispiel für den Stadtgründer oder für Puschkin.
Die Universität ist ziemlich alt und trägt bereits den vierten Namen. Heute heißt sie offiziell „Südliche Staatliche Technische Universität Nowotscherkassk“. Die einzelnen Gebäude der Uni sind um einen zentralen Sportplatz angeordnet. Da die Universität hier eher wie eine deutsche Schule abläuft, wird der Sportplatz auch täglich von diversen Klassen benutzt (zumindest die Laufbahn). Unser Sprachkurs findet im Hauptgebäude, im zweiten Stock, im Zimmer 311 statt (in Russland ist das Erdgeschoss bereits der erste Stock – für Russen ist der Sprachkurs also im dritten Stock). Gleich nebenan ist das Ausländerbüro, in dem auch Alexandra arbeitet. Mit auf dem Gelände der Universität befindet sich auch eine Militärschule. Überhaupt befinden sich unglaublich viele militärische Objekte in der Stadt.
Am nordwestlichen Ende der Stadt, an der Straße nach Rostov, befindet sich noch ein großer Kinokomplex mit Restaurant und Bar, sowie ein paar Tankstellen und weitere, überall auffindbare, Kioske.
Nowotscherkassk verfügt auch über drei Trambahnlinien, allerdings ist der Verwaltung anscheinend irgendwann die Lust, oder das Geld ausgegangen, jedenfalls enden alle drei mitten am Berg im Nirgendwo. Das Stadtzentrum ist auf jeden Fall nur zu Fuß erreichbar, die zehn Minuten Fußweg zwischen Wohnheim und Universität könnte man aber mit der Trambahn fahren. Eine Fahrt kostet zwar nur acht Rubel, allerdings sollte man weder leicht seekrank werden noch ängstlich sein. Ab der atemberaubenden Geschwindigkeit eines Fußgängers schaukelt und wackelt die Trambahn nämlich derart, dass es kaum möglich ist, sich trotz Haltegriffen stehend in der Bahn aufzuhalten. Die unruhige Fahrt wird hauptsächlich durch die sehr rustikale Verlegetechnik hervorgerufen. Die Schienen werden dabei einfach auf den Dreck gelegt – fertig. Den Boden vorher glatt zu machen ist „überflüssig“. Weiterhin ist es hier auch nicht üblich Schienen bündig miteinander zu verbinden – hier werden Schienen überhaupt nicht miteinander verbunden. Eventuell auftretende Spalte werden mit Metallresten, zum Beispiel abgefallenen Radbolzen, die hineingelegt (gelegt, nicht irgendwie festgemacht oder so) werden, gefüllt. Zur weiteren Sicherung der Strecke fährt dauerhaft ein LKW durch die Stadt, der die andauernd auftretenden, den Betrieb aber nicht beeinflussenden, Schienenbrüche flickt. Abgerundet wird das dann noch durch fehlende Schrauben, Bolzen und Verkleidungen an den Wagen selbst.
  Um Nowotscherkassk herum befinden sich eigentlich nur Felder, also keine unberührte Natur oder sowas. In die nächste große Stadt – Rostov – führt eine zweispurige „Autobahn“, die aber mit mindestens drei Fahrzeugen nebeneinander befahren werden kann. Die Auffahrt auf die Autobahn kann aufgrund ungünstiger Straßenverhältnisse aber nur im Schritttempo befahren werden. Um von Nowotscherkassk nach Rostov zu fahren benutzt man eine in Russland übliche Technik: Man stellt sich an definierten Orten an den Straßenrand und wartet. Innerhalb kurzer Zeit hält ein Auto und schon ist man nach Rostov (oder wohin auch immer) unterwegs. Der Preis zwischen Nowotscherkassk und Rostov hat sich dabei auch 40 Rubel eingependelt. Auch das Ende der Fahrt ist an definierter Stelle.
Rostov ist aufgrund seiner Größe deutlich aufgeräumter und sauberer. Den Nahverkehr übernehmen hier alte deutsche Busse, die noch immer die deutsche Werbung tragen. Außerdem gibt es auch hier die übliche Tram, deren Gleise aber fest verlegt sind und nur einen Maximalversatz von bis zu einem Centimeter aufweisen. Wie auch in Nowotscherkassk hat McDonalds hier eine Filiale, die sehr rege besucht ist. Rostov ist ein Haupthaltepunkt auf jeder Don-Kreuzfahrt, so dass insbesondere das Viertel um den Personenhafen sehr ansehnlich ist. Hier finden sich sogar grüne Wiesen. Momentan werden die großen Schiffe und die Vergnügungsanlagen an Land alle in Schuss gebracht für die Touristensaison. In Rostov befindet sich auch noch ein IKEA, ein Auchan und weitere große, westliche Handelsketten, deren Gebäude aber in einem „Megamarkt“ vor der Stadt (Richtung Nowotscherkassk) angesiedelt sind.  Auch in Rostov war Omar unser allwissender Guide.




Der Stadtgründer in voller Pracht, vor dem zentralen verwaltungsgebäude


Der größere der beiden Triumpfbögen, am Übergang zum anderen Stadtteil (~zwei Kilometer entfernt)


Stadtbild am Triumpfbogen


Das öffentliche Schwimmbad der Stadt - momentan(?) nicht sehr ansehnlich


Eines der vielen Häuser - auch dieses wäre schön, hätte einmal jemand was daran gemacht


Eine kleinere Straße, die auch schon über einen Mittelgehweg verfügt


Die drittgrößte Kathedrale Russlands - abends auch schön beleuchtet


Das Zentralgebäude der Universität von vorne


Eine Straße direkt hinter der Universität (mit Straßenbahn)


Die Straßenbahnhaltestelle an der Universität (man beachte die wunderbare Verlegung)


Ein Beispiel einer noch recht guten(!) Schienenverbindung


"Brücke" über einen Graben


Das sehr große Denkmal am Eingang von Rostov


Eine kleine Kirche mit dahinterliegender Bausünde im Rohbau


Einer der sehr vielen ehemals deutschen oder skandinavischen Busse


In Rostov sind deutlich mehr Häuser komplett renoviert (zumindest außen)


Russischer McDonalds


Der zentrale Touristenhafen in Rostov


Noch einmal der Hafen, mit der großen Autobrücke über den Don


Text an Hauswand

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:56 Uhr.

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04.05.2009 - 11:29 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Gute Musik

Ja, es gibt sie wirklich!


Stellt euch irgend ein kleines Dorf in Niederbayern vor. Eine kleine Stadt mit nicht einmal 1000 Einwohnern, irgendwo im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tschechien. Die örtliche Grundschule ist nur noch von wenigen Kindern besucht und steht – auch mangels Geld – kurz vor der Schließung, für den Besuch einer weiterführenden Schule müssen die Schüler weit fahren und alle Älteren sind sowieso schon weggezogen. In der, dem langsamen Verfall preisgegebenen Stadt, bleibt das Proletentum und die, die nicht weg können zurück. Für diesen Personenkreis hat irgendjemand in einer heruntergekommenen alten Ziegelei einen Nachtclub eingerichtet. Willkommen im „besten“ Nachtclub von Nowotscherkassk.
Der Laden ist die übelste Dorfdisse die man sich nur vorstellen kann. Die Musik besteht aus übelsten, unbeschreiblichen „Liedern“, im Stile längst vergangener Zeiten, die aus übersteuerten Boxen krachen. Würden die Verantwortlichen Winamp zur Überblendung der einzelnen Lieder nehmen, wäre das Ergebnis 100%ig besser als das des „DJs“. Es wäre ja schon besser, wenn er die Sache mit der Überblendung einfach ganz sein ließe. Der DJ scheint sowieso nur maximal 50 Lieder zu besitzen, da nach spätestens zwei Stunden die „Show“ von vorne beginnt. Die Lieder werden dabei in vollkommen willkürlicher Reihenfolge runtergespielt. Bezüglich der Lichttechnik ist man offensichtlich der Meinung, dass es immer besser wird, je mehr sinnlose 80er-Jahre Technik man verbaut. Die ganze Schose wird dabei auch nur zusammen angeschaltet und durch die stets hervorragend arbeitende Beatdetection gesteuert, was den voll verspiegelten Raum erst voll zur Geltung bringt. Was das Gebäude, in dem sich das Ganze befindet, früher einmal beherbergt hat lässt sich nicht sagen, da man in dem, nur durch eine flackernde Birne „erhellten“, Hinterhof nichts erkennen kann. Überhaupt wäre der ganze Ort ideal um einen dieser trostlosen Filmkulissen abzugeben, denn um das Ganze noch abzuschließen, gibt es innerhalb dieses Schuppens wohl niemanden, der nicht rauchen würde. Wobei ich mir noch nicht einmal so sicher bin, ob so eine Institution bei uns und sei sie die Einzige im Umkreis von 100 km, auch nur einen Besucher hätte und ob ein derartiger Ort in einem Film nicht irgendwie unglaubwürdig erscheinen würde. Wer jetzt denkt, das wäre krass: Wohlgemerkt, das ist die beste – äh – Dingens im Ort,
  Freunde der guten, oder zumindest gut gespielten, Musik müssen sich hier anscheinend selbst beschallen, was die vielen soundtechnisch gut ausgestatteten Autos erklären könnte.
Gute Musik gibt es wirklich, aber nicht in den Klubs von Nowotscherkassk.

Eigentlich hatte ich einen anderen Beitrag vor, aber – alter Schwede – der Laden war letztes Mal schon schlimm, aber es ist wahr, es geht immer noch ein bisschen schlimmer.


Und nun zu etwas ganz Anderem:



Wer die ganzen Städte entziffert, bekommt einen virtuellen Kecks


Das wunderschöne Freibad

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:57 Uhr.

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05.05.2009 - 13:22 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Man ist, was man isst

So unglaublich billig ist das hier gar nicht


Das Leitungswasser hier ist ziemlich stark gechlort. Schon deshalb wäre es zum trinken nur bedingt geeignet. Letztlich sorgt aber die unbekannte Herkunft und der Zustand der Leitungen dafür, dass man hier Wasser im Supermarkt kauft. Auch hier haben sich dafür die großen fünf-Liter-Kanister durchgesetzt. So ein Kanister kostet etwa 30 Rubel, ist also durchaus erschwinglich.
Im Gegensatz dazu ist Wurst hier Luxusware. Da ich normale Wurst nicht wirklich mag und sowieso kein Mensch so ganz genau weiß, was hier in so eine Wurst gepackt wird, bliebe nur Salami – die kostet aber so viel, dass die wahrscheinlich in der Kühlauslage vergammeln wird, weil sie sich keiner leisten kann. Für mich bleibt also „nur“ noch Käse. Die Auswahl an verschiedenem Käse ist akzeptabel, haut aber niemanden vom Hocker. Die meisten Sorten schmecken entweder sehr salzig oder nach gar nichts, die verbleibenden sind passabel. Es gibt auch importierten, verpackten Streichkäse, hauptsächlich aus Frankreich, Streichkäse schmeckt aber auch hier nicht besser als in Deutschland.
Im wesentlichen gibt es im Supermarkt nur Weißbrot in den unterschiedlichsten Formen, aber Gott sei Dank auch eine gute Sorte Schwarzbrot. Ein halbes Kilo Brot kostet in etwa 20 Rubel und stellt auch ein Hauptnahrungsmittel dar. Wesentlich größer ist die Auswahl an Keksen und anderen Süßigkeiten. Das Regal hierfür darf in keinem Supermarkt fehlen und nimmt im nächstgelegenen Supermarkt etwa ein Fünftel der Gesamtfläche ein.
  Die Auswahl an Obst und Gemüse ist groß und auch die Preise halten sich im Rahmen. Ein Kilo Bananen kostet zum Beispiel 55 Rubel. Eine Besonderheit sind die hier erhältlichen Pomelos, die ich aber noch nicht probiert habe. Für die meisten Früchte muss man allerdings auf den Markt gehen, nur die grundlegenden sind im Supermarkt erhältlich. Von praktisch allem Obst gibt es auch entsprechenden Saft im Tetrapack, um sich was zum Trinken mischen zu können.
Viele typische Produkte, die wir in Deutschland essen, zum Beispiel Müsli, Joghurt, oder auch besagter Streichkäse, sind Importware aus Deutschland oder Frankreich. Die Produkte sind aber eher die Grundversionen – das Müsli ist zum Beispiel (Aldi) Trauben-Nuss-Müsli, Produkte von Nestle sucht man hier vergebens.
Entgegen allgemeiner Meinung, gibt es hier aber durchaus Schokolade und das nicht zu knapp. Die russischen Versionen sind preislich auf deutschem Niveau (etwa 40 Rubel) und aus eigener Erfahrung kann ich sagen auch sehr gut. Man kann allerdings davon ausgehen, dass in jeder Tafel, auf der groß etwas mit „Russland“ steht zur Hälfte aus Alkohol besteht. Auch bezüglich Alkohol ist die Auswahl lange nicht so groß, wie man sich das immer vorstellt. Die meisten bei uns erhältlichen Marken wären für die Menschen hier sowieso unbezahlbar. Ein deutscher Getränkemarkt ist also besser ausgerüstet.
Für alle Dinge, die man weder trinken, noch essen kann, muss man spezialisierte Geschäfte aufsuchen. Für Elektronikartikel ist das hier kein Problem, auch wenn alles mindestens das doppelte kostet. Schwieriger zu bekommen sind Haushaltsgegenstände, so habe ich für ein Messer drei Tage gesucht.




Auswahl aus meinem Kühlschrank, mit diversen Produkten


Eine "Pomelo" im Rohzustand


Pomelo vor dem öffnen


Pomelo nach dem Öffnen (diese lag wohl zu lange, jedenfalls war sie ungenießbar)

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:58 Uhr.

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07.05.2009 - 09:26 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Leben auf Russisch

Heute mal ein allgemeiner Beitrag zum täglichen Leben hier.


Wie schon beim letzten Mal erwähnt gibt es auch in Russland Supermärkte, die aber noch lange nicht die kleinen Läden verdrängt haben, vor allem weil sich die Supermärkte meistens am Stadtrand befinden und man da dank der tollen Trambahn nicht hinkommt. Allerdings befindet sich einer hier in der „Studentenstadt“, so dass das normalerweise die Einkaufsmöglichkeit der Wahl darstellt.
Inzwischen finde ich sogar normalen Maasdamer-Käse traumhaft, heute hatten sie aber sogar essbare Tomaten im Angebot.
In dem Laden kann man neben Lebensmitteln auch noch Glühbirnen und Geschirr kaufen, was sich beides als recht praktisch herausgestellt hat. Zum einen, weil wir nur zwei Bestecksätze hatten und zum anderen, weil ich diese tief hängenden Lampen gerne ramponiere. Eine Glühbirne (es gibt nur 100 Watt) kostet 15 Rubel.
Für Elektronikartikel gibt es im wesentlichen zwei Läden, wobei der eine zwar billiger ist (immer noch 10% teurer als in Deutschland), aber leider recht wenig Auswahl hat. Da ich hier nur meine passiven Handyzubehörboxen habe, werde ich aber wohl nicht drumherum kommen, demnächst ein paar Boxen zu kaufen.
Zum Zubereiten der gekauften Lebensmittel steht die schon erwähnte Küche zur Verfügung, den Abwasch machen wir aber dann doch lieber im Zimmer, in unserem wunderschönen Bad. Inzwischen stehen uns zwei Pfannen und ein Topf zur Verfügung, das ist aber immer noch etwas wenig für vier Personen.
Das „lustigste“ ist allerdings die Tatsache, dass wir mit der Hand Wäsche waschen. Dazu haben wir zwei Wannen, die beide je einen riesigen Riss haben (professionell mit Uhu und Plastikfolie „repariert“). Die Wäsche trocknen wir momentan im Zimmer, keine Ahnung ob das irgendwann einmal ins Freie verlegt werden kann. So richtig anfreunden kann ich mich mit diesem Gedanken nicht, weil sich dann wahrscheinlich der ganze Staub direkt in der nassen Wäsche fängt.
Auch mit Banken hat man hier seine liebe Mühe. Die diversen deutschen Karten gehen normalerweise nur bei maximal zwei Banken in der Stadt, allerdings bei jedem bei einer anderen. Die Menüführung bietet sogar Deutsch und Englisch an, was allerdings nichts an der Spracheinstellung ändert. Wenn man den Dreh aber mal raus hat, geht auch das.
Noch ein paar Wörter zu russischen Klos: Hier im Wohnheim haben wir ganz normale Kloschüsseln und auch sonst scheint das Stand der Technik hier zu sein. Allerdings ist es hier auch üblich, Klos in Gaststätten wohl maximal einmal in der Woche und das Klo in der Uni wohl nur einmal im Jahr zu säubern, wobei das in der Uni nur noch durch einen Neubau in einen akzeptablem Zustand zu versetzen ist. Russisches Klopapier, sofern man denn das originale kauft, wird wohl in ehemaligen, von der Wirtschaftskrise betroffenen, Schmirgelpapierfabriken hergestellt, außerdem ist die Breite einer solchen Rolle gewöhnungsbedürftig.
  Inzwischen haben wir aber langsam alles von Nowotscherkassk gesehen, auch wenn uns inzwischen das dritte oder vierte Mädel angeboten hat uns durch die Stadt zu führen und dabei sein Deutsch zu verbessern. An Ostern waren wir auch im Mitternachtsgottesdienst, der allerdings nicht sonderlich spannend, sondern hauptsächlich verdammt kalt war. Aber auch die Temperaturen sind nicht mehr so niedrig wie am Anfang und man kann durchaus in T-Shirt das Haus verlassen (zumindest tagsüber). In die Uni darf man als Mann allerdings nur in langer Hose – der Rest ist egal. Im Gegensatz dazu müssen Frauen wahrscheinlich gar nichts anhaben, sonderlich weit davon entfernt sind einige auf jeden Fall nicht.
Wir können inzwischen außerdem im Büro von Professor Bulgakov ins Internet gehen. Dafür musste ich zwar das ganze Netzwerk „hacken“ (IP-Adressbereich finden, Router-IP finden, freie IPs raussuchen) aber jetzt funktioniert auch das und wir kommen tagsüber gut ins Internet. Wir sollen unser Surfen allerdings in Grenzen halten, da die letzten Studenten 12000 Rubel Kosten verursacht haben. Bei Geschwindigkeiten um die 10kB/s wird das aber wohl nicht das riesige Problem darstellen.
Bezüglich unserer Semesterarbeit sind wir so schlau wie vor unserer Abreise. Zuerst war unser Ansprechpartner bei SolarTec im Urlaub – wahrscheinlich um seinen Resturlaub vor der Firmeninsolvenz abzuarbeiten – danach hat er zwar versprochen sich darum zu kümmern, davon habenn wir aber noch nichts gemerkt. Diese Woche haben wir aber auch noch normal Sprachkurs, so dass das noch kein Problem darstellt. Die restliche Zeit hier werden wir auch weiterhin Sprachkurs haben, allerdings nicht mehr täglich – theoretisch müssten wir ja auch was arbeiten.
Professor Bulgakov hat außerdem geschrieben, dass wir unser tolles Praktikum eventuell in Stavropol absolvieren werden und momentan klingt das auch noch nach zwei Monaten Arbeit. Meine Lust hierfür hält sich komischerweise stark in Grenzen. Bis dahin ist aber noch viel Zeit.
Am neunten Mai fahren wir zu großen Siegesfeier nach Wolgograd (Stalingrad), davor waren wir am ersten Mai schon in Rostov bei einer Parade. Zu beidem nächstes Mal mehr.
Omar hat auch eine Reise zum „KaZantip“ ins Gespräch gebracht. Wer es nicht kennt: In der Ukraine (90 Tage kein Visa erforderlich) ist vom ersten bis zum 23. August (ja, einen ganzen Monat) direkt am Strand vom Schwarzen Meer ein riesiges Musikfestival mit 22 Stunden Musik am Tag. Ob wir da wirklich hinfahren und von wann bis wann steht allerdings noch in den Sternen.
Ebenso weiß ich noch nicht ob und wenn, wann ich in den Kaukasus fahre. Landkarten sind hier nicht zu bekommen, so dass eine Zielauswahl schwer ist und generell wird einem hier von einer Reise abgeraten, weil sich im Süden praktisch nur abtrünnige Republiken befinden.




Die geile Küche im zweiten Stock


Der große Springbrunnen im Stadtzentrum


Dazu der hiesige McDonals, in dem Fotografieren (wie fast in jedem Gebäude) streng verboten ist – warum auch immer


Das große (weit entfernte) Einkaufszentrum, in dem man gute Sachen zu hohen Preisen erstehen kann


Unsere wundervolle Waschwanne in unserer wunderschönen Dusche in unserem wunderbaren Bad (inzwischen ist der Warmwasserhahn praktisch abgefallen)


Die fertig aufgehängte Wäsche in meinem Zimmer (ich habe den Schlafsack, weil die Decken hier nur 1,80m lang sind)


Eine halbe Rolle russisches Geschicklichkeitsklopapier


Gruppenfoto – von links nach rechts: Stefan, Svetlana, Marina, Natasha, Eugenia (Schenia), Christoph, Paul, Omar


Man mag es kaum glauben, aber auch hier ist Frühling


Einer der vielen Besucher vor meinem Fenster


Ein „russischer“ Bus

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:58 Uhr.

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19.05.2009 - 14:16 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Achtung! Stillgestanden!

Ein Beitrag zu den Feierlichkeiten zum ersten und neunten Mai.


Am ersten Mai waren wir den ganzen Tag in Rostov. Entgegen meiner ursprünglichen Annahme, ist der erste Mai hier aber eher ein Parteipropagandafest der einzelnen Parteien und kein „gemeinsamer“ Feiertag. Der zentrale Platz vor dem Theater und die dazugehörige Straße waren komplett abgesperrt, so dass dort die Feierlichkeiten stattfinden konnten. Direkt auf dem Platz waren verschiedene Sportplätze aufgebaut, zum Beispiel für Fußball oder Basketball. Auf diesen Plätzen durfte sich die Jugend der Stadt vergnügen, dazu gab es Musik einer Militärkapelle, sowie irgendwelche anfeuernden Zwischenrufe eines Anpeitschers. Im Park, direkt neben dem Theater, hatte die Partei „Vereintes Russland“ (Putin) ihre Großveranstaltung mit allem drum und dran, das heißt jeder hat eine Fahne bekommen, laute Musik, usw.. Nicht weit davon entfernt hatte dann die Kommunistische Partei ihre Kundgebung, sogar mit Propagandazeitung. Allerdings waren da jetzt nicht direkt sehr viele Leute. Während wir die große Hauptstraße runter gegangen sind, fand dann auf dieser ein Staffellauf der Rostover Jugend statt, gut geschützt durch diverse, relativ neue, Polizeiautos. Diese Staffelläufe gingen irgendwie den ganzen Tag, worum es genau ging weiß keiner. Unterwegs haben wir dann noch einen Typ getroffen, der sich selbst drei verschiedene Sprachen beigebracht hat, darunter auch Deutsch und das echt sehr gut. Am Nachmittag haben wir dann für 500 Rubel eine Eintrittskarte zu einem sogenannten Festival gekauft, darin enthalten war der Eintritt, sowie Verpflegung. Der Bustransfer hat noch einmal mit 150 Rubel zu Buche geschlagen.
Das Gelände für das Festival war eine Erholungsbasis am Ufer des Dons. Die Anlage war nett hergerichtet und man konnte diverse Dinge, wie Quad fahren, oder Reiten, machen. Zu essen gab es außerordentlich gutes Grillgut mit Kartoffeln und extrem guten Soßen. Am Abend hat sich dann aber irgendwie herausgestellt, dass das Essen nicht ganz so gratis war und der Bus auch nur in eine Richtung fährt, so dass sich der Preis für den Ausflug um weitere 1000 Rubel gesteigert hat – zusammen mit den 100 Rubel für die Fahrt nach Rostov und zurück nicht mehr wirklich billig.
Somit haben wir keine Parade gesehen, dafür Propagandaveranstaltungen und ordentlich Geld ausgegeben.
Der größte Feiertag in Russland ist aber der Tag des Triumphs am 9. Mai. Da der Tag zu Sowjetzeiten wohl extremst aufgebauscht wurde, hat sich der gesamte Zinnober bis heute erhalten. Schon die gesamte Woche vor dem 9. Mai finden diverse Veranstaltungen statt.
Für 1800 Rubel sind wir, das heißt alle Russisch lernenden Studenten, zusammen mit einem Haufen Schulkindern, nach Wolgograd gefahren, um dort den Feierlichkeiten beizuwohnen. Wir sind am Freitag um 22 Uhr in Nowotscherkassk in einen koreanischen Bus eingestiegen, der natürlich nur dann bequem gewesen wäre, wäre ich einen halben Meter kleiner. Die Schulkinder neben mir haben natürlich auch an alles, nur nicht an Schlaf gedacht. Als dann um kurz nach drei Uhr am Morgen auch noch dichter Rauch das innere des Busses gefüllt hat, war das mit dem Schlafen endgültig vorbei. Wir sind dann alle recht zügig ausgestiegen und haben uns vom Bus entfernt. Wahrscheinlich haben aber „nur“ die Bremsen gekokelt, nach ein paar Minuten in ansehnlicher Landschaft und dem Öffnen der Fenster durch den Busfahrer ging es auf jeden Fall weiter. Wir waren dann um fünf Uhr morgens in Wolgograd am Hauptbahnhof, wo wir zwei Stunden gewartet haben, bis unsere Stadtrundfahrt begonnen hat – die sehr gleichmäßige Stimme der Führerin hat allerdings zu raschem Einschlafen der gesamten Reisegruppe geführt. Wir sind wohl irgendwie zum Mamajew-Hügel gefahren, den wir uns dann mit angrenzendem Propagandapark und ewigem Feuer angeschaut haben, wobei die Führung auf Russisch nicht wirklich viel gebracht hat.
  Wir waren dann passend zur großen Parade fertig und sind wieder in unseren Bus gestiegen und losgefahren. Wir sind dann aber nicht direkt zur Parade, sondern erstmal ins Planetarium (deutsche Technik) gefahren. Als wir das wieder verlassen haben, hatten die Panzer und Raketen wieder die Stadt verlassen. Wir haben also keine Militärparade gesehen (in Rostov wäre auch eine gewesen). Schöne Scheiße, aber laut Reiseleitung, die anschließend ihre Provision für das heranschaffen von 40 Leuten bekommen hat, war der Plan eben anders. Im Anschluss begann die große Stadtrallye. Titel der Führung war wohl „Wolgograd im Laufschritt“, wobei die Aufgabe der Führerin offensichtlich darin bestand einen Rundgang durch den zentralen Teil der Stadt in unter zwei Stunden zu bewerkstelligen. Jetzt haben wir auch den Platz gesehen, wo die Militärparade war, sowie den großen Park. Im Anschluss an die Rallye stand eine Flussrundfahrt auf dem Programm. Die Wolga ist doch ein recht großer Fluss, wobei außer dem Fluss nicht viel zu sehen war, da Wolgograd nur ein paar wenige Kilometer breit, dafür aber fast 80 km lang ist. Nach Beendigung der Kreuzfahrt hatten wir dann zwei Stunden Freizeit, während derer wir gegessen und am Sandstrand der Wolga gesessen haben.
Um 18 Uhr stand dann das zentrale Museum der Stadt auf dem Plan. Es sind innerhalb des Museums zwar viele Gegenstände ausgestellt, aber zur Geschichte der Stadt und der Gegenstände wird nichts gesagt, insofern war das Museum wenig hilfreich. Nach dem Museum war dann wieder zwei Stunden Warten angesagt, bis Salutschuss und Feuerwerk stattfinden sollten. Für den Salutschuss standen am Flussufer schon große Artilleriegeschütze und jede Menge Militär bereit. Letztlich war das Ganze aber dann doch eine große Show, jedenfalls waren die Salutschüsse nur recht große Feuerwerkskörper.
Die Heimfahrt verlief dann mit deutlich mehr Schlaf, auch wenn der eine (Schüler) jede Stunde einmal aufs Klo musste und der Bus in der Zwischenzeit auch nicht größer geworden war. Der Bus hat dann um drei noch eine Vollbremsung hingelegt, ist wieder 100 Meter rückwärts gefahren, Licht an und die Reiseleiterin meint nur „Hey Leute! Hier ist ein Café!“. Seltsamerweise ist dann da keiner außer ihr hingegangen. Um 5 Uhr 45 am Morgen war unser Bus dann wieder in Nowotscherkassk und wir sind zum Wohnheim gegangen. Da haben wir dann noch bis kurz nach sechs gewartet, bis es aufmacht und dann war unsere Reise auch zu Ende.




Unser brennender Bus bei Nacht


Der Hauptbahnhof von Wolgograd


Ein "wunderschönes" Haus


Die höchhste Statue der Welt


Die Statue auf dem dazugehörigen Hügel


Text am Kriegsdenkmal (Alles für die Front, alles für den Sieg)


Übersicht über den ganzen Komplex


Der Hauptplatz (ohne Parade!)


Wachwechsel an einem Denkmal


Unterirdische Trambahnstation


Die Wolga


Viele Leute an der Wolga


Tragflächenboot auf der Wolga


Die Wolga in ihrer ganzen Breite (an dieser Stelle)


Die ganz neue (noch nicht fertige) Brücke über die Wolga (bisher musste man sehr weit fahren um ans andere Ufer zu kommen)


Ausstellungsstücke vor dem Propagandamuseum


Ein original erhaltenes Haus (das Einzige)


Ein weiteres Ausstellungsstück

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 09:59 Uhr.

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26.05.2009 - 12:09 zitieren     editieren

Der Zug fährt ab

Ein Beitrag zum Thema Kommunikation.


Manchmal ließt man seinen eigenen Text ein zweites Mal und findet ihn plötzlich nicht mehr so richtig passend, daher eine neue Version.
Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass Schüler in Russland (oder zumindest in Nowotscherkassk) in der Schule keine Fremdsprache lernen müssen, so dass die sprachliche Ausbildung vom persönlichen Willen des Einzelnen abhängt. Leider scheinen sich die meisten Studenten gegen eine weitere sprachliche Ausbildung. So war dann auch das Treffen aller Englisch lernenden Studenten an Ostern auf maximal 20 Leute beschränkt, wobei da schon die Doktoranden mitgezählt sind. Etwas mehr Studenten entscheiden sich für Deutsch, was auch daran liegt, dass sehr viele Leute aus Nowotscherkassk einmal nach Deutschland wollen oder dort bereits waren. Die eigentliche Partnerstadt in Deutschland ist Ilmenau, wobei auch ein Aufenthalt in sehr vielen anderen Städten in Frage kommt (alle Aufenthalte werden von Prof. Bolgakov organisiert), zum Beispiel Dortmund und München. Insgesamt kennen wir inzwischen einen Haufen Studenten, die bereits in Deutschland waren, aber insbesondere die Doktoranden gehen nach Deutschland. Die normale Aufenthaltsdauer beträgt aber nur zwischen einem und maximal drei Monaten. Wenn man sich hier also in einer anderen Sprache als Russisch verständigen will / muss, dann ist es relativ wahrscheinlich, dass man mit Deutsch weiter kommt. Ansonsten sind hier auch unglaublich viele Libanesen und Kurden, so dass auch Arabisch und Kurdisch eine Alternative wären. Personen, die nie eine Universität besucht haben, sprechen im Normalfall aber keinerlei Sprache außer Russisch.
Ein Universitätslehrer verdient hier nur etwa 80€ im Monat verdient – trotzdem sind hier Handys extrem verbreitet und klingeln auch extrem laut zu jeder unmöglichsten Zeit. Lieder von UMTS hier noch nie jemand etwas gehört, dafür kostet eine Minute telefonieren mit dem Handy lediglich 15 Kopekten. Sehr beliebt ist hier auch ICQ über das Handy, warum genau hat sich mir aber erst vor Kurzem erschlossen, aber dazu später mehr. Um hier in Russland an eine SIM-Karte zu kommen, muss man immer seine gesamte Verwandtschaft inklusive toter Großeltern und seine Registrierung mitbringen. Besitzt man keine passende Registrierung muss man die richtigen Leute in den richtigen Geschäften kennen. Die wollen Einem zwar erst auch nichts verkaufen, aber sobald man den Laden wieder verlassen will, hat man plötzlich ein Paket in der Hand. Da Omar die richtigen Leute in den richtigen Geschäften kennt, war es für uns hier aber kein sonderlich großes Problem. Wir besitzen jetzt zwar jeder eine SIM-Karte, allerdings können wir damit zum Einen nicht ins Ausland telefonieren, zum Anderen kostet ein Telefonat außerhalb des Oblastes Roaming-Gebühren. Daher war für Christoph das Telefonat in Wolgograd auch nicht ganz so billig. Bei uns kann man sein Guthaben ja bekanntlich an Geldautomaten aufladen, hier steht an jeder Ecke ein spezieller Automat, an dem man so ziemlich alles aufladen kann, was Geld verbraucht.
Solle sich jemand irgendwann einmal in Indien oder vielleicht auch im Irak aufhalten, so wird er dort wahrscheinlich eine deutlich bessere Versorgung mit Internet vorfinden als hier in Nowotscherkassk, der Hauptstadt der Don-Kossaken. Da sehr viele Häuser nicht einmal einen Telefonanschluss haben, ist es zu Hause schwierig ins Internet zu kommen. Eine Möglichkeit bieten die bereits erwähnten Handyzugänge, wobei ein Download von 1,58 Megabyte Größe etwa 30 Minuten dauert, sofern man währenddessen nichts anderes macht. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen gibt es hier auch nur volumenbegrenzte Flatrates, beziehungsweise man zahlt generell pro Megabyte („Mega“, nicht „Giga“). Diese Situation führt dann dazu, dass Leute ICQ auf dem Handy haben und ein Virenscanner zum Luxusgut wird, da Updates sowieso unmöglich sind. Komischerweise sind folglich sämtliche Computer in Nowotscherkassk vollkommen mit Viren verseucht. AntiVir oder Sophos findet zwischen zwei und drei Viren pro USB-Stick, mit dem wir in Berührung kommen. Ein Entfernen der Viren ist natürlich recht sinnlos, da ein erneutes Einstecken des Sticks in irgendeinen Computer sofort zu neuem Befall führt. Hier sollte man tunlichst jedes Medium, das Daten trägt, vor Benutzung einem Intensivtest unterziehen. Dass sich unter Windows XP der Autostart nicht abschalten lässt, hilft auch nicht gerade – auftauchende kyrillische Buchstaben sind aber immer ein schlechtes Zeichen. Generell sind hier jede Menge Viren vertreten, die sich ausschließlich über USB-Sticks verbreiten. Normalerweise nutzen sie dazu zwei Dateien, zum Einen die „autorun.inf“, zum Anderen den Ordner „RECYCLER“ – beide werden unter Windows (trotz des Hakens bei „Alle Dateien anzeigen“) nicht angezeigt. Interessanterweise hat die hiesige Universität auch keine Flatrate, sondern kauft ein Volumenpaket. Das führt dazu, dass man bei Beginn seiner Arbeit der Universitätsleitung mitteilen muss, wie viel Traffic man zu verursachen gedenkt. Diese kann den Antrag dann akzeptieren, aber natürlich auch ablehnen. Wurde der Antrag akzeptiert, ist ein nachträgliches Ändern des Volumens nicht mehr möglich. Ein normaler Doktorand hat somit im  Monat zwischen 50 und 100 Megabyte zur Verfügung. Somit ist dann auch die Universität eine gigantische Virenschleuder, da ein Update ja bekanntlich schnell unglaubliche 20 Megabyte erreichen kann und auch ohne Volumenbeschränkung der Download etwa eine Stunde in Anspruch nimmt.
  Die meisten Schwellenländer auf der Welt haben inzwischen erkannt, dass die Zukunft in der Informationstechnik liegt und eine gute Versorgung der Elite ein entscheidender Punkt auf dem Weg in den Wohlstand ist. Ich weiß nicht wie es in anderen Städten ist, aber hier hat sich da offensichtlich zu einem etwas anderen Weg entschlossen und erlaubt der Elite den Zugriff auf hochaktuelle Bibliotheken der Sowjetzeit und der Forschung an vollkommen veralteten Technologien. So steht zum Beispiel am Lehrstuhl für Mechatronik ein Profibus-Ding, dass wohl irgendjemand aus Deutschland nicht mehr brauchte und dem Lehrstuhl vermacht hat. Inklusive der mindestens fünf Jahre, die die Anlage jetzt schon unbrauchbar in dem Zimmer steht, wird sie wohl mindestens zehn Jahre alt sein. Intelligenterweise existieren zur Anlage nur deutsche Handbücher, die wir jetzt in unserer Freizeit übersetzen sollen. Ganz Nowotscherkassk forscht offensichtlich gerade daran, wie man einen riesigen Müllberg verbessert und darüber werden Doktorarbeiten geschrieben! Für eine Recherche zum Stand der Technik hat man ja 50 Megabyte im Monat. Inzwischen gilt dieses 50MB-Limit auch für unsere Arbeit am Lehrstuhl bezüglich unserer Semesterarbeit.
Wenn es überall in Russland zu zugeht, dann denke ich, sind Indien und China technologisch deutlich weiter. Der „Ruhm“ vergangener Tage ist heute hat nichts wert und die Dominanz von Öl und Gas ist auch endlich.
Für Russland könnte der Zug abfahren.


Heute mal keine Bilder, dafür dann beim nächsten Mal ein reiner Bildpost.

€: URL zur schönen Ansicht

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 10:00 Uhr.

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28.05.2009 - 09:43 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Bilder


Außerdem werden wir demnächst in Rostov Dialoge auf deutsch aufnehmen, damit bei allen(!) Deutschprüfungen in Russland unsere Dialoge zur Hörprüfung benutzt werden können.



Gruppenbild unserer Reisegruppe in Wolgograd


Mond


Hier trinken sie Tiere!


Süßigkeiten in der Zahnarztpraxis


Selbstgemachtes Sushi


Nochmal selbstgemachtes Sushi


Das Ganze fertig


Strand am Don, wo wir zwei Tage waren


Gerüst bei Nacht


Katzen!

Zuletzt editiert von Fatuity am 28.05.2009 um 09:46 Uhr.

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18.06.2009 - 12:53 zitieren     editieren

Ich lebe


Momentan ist die Internetsituation am Tiefpunkt angekommen - jedenfalls ist es momentan äußerst kompliziert. Ich hoffe, dass ich am Wochenende ein paar Zeilen schreiben kann und natürlich auch einige neue Photos hochladen kann.
Gestern Abend ist Paul abgefahren, wir sind am jetzt also nur noch zu dritt.

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01.07.2009 - 10:03 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Arbeit und Urlaub

In welcher Einheit wird die Güte von Musik gemessen?


Inzwischen (würde ich sagen) haben wir uns hier recht gut eingelebt und kommen neben dem Sprachkurs auch noch zu anderen Dingen. Die ersten zwei Monate war der Sprachkurs ja fünf Mal in der Woche, das hat sich inzwischen auf drei Mal reduziert. Dadurch bleibt theoretisch mehr Zeit um sich die Umgebung anzuschauen, aber da war ja noch die "Mechatronika 2009".
Jeder von uns (außer Paul) musste dafür einen zehnminütigen Vortrag über unser Semesterarbeitsthema halten. Das ist ja normalerweise kein Problem, vor Allem weil wir auf deutsch halten durften. Für die russischen Zuhörer musste der Vortrag aber auch auf russisch Übersetzt werden. Der Vortrag lief dann so ab, dass man einen Satz gesagt hat und der anschließend "auswendig" von Sascha vorgetragen wurde. Wegen den ganzen Fachbegriffen war das Übersetzen des Vortrages nicht sonderlich einfach und hat Ewigkeiten gedauert, letztlich hat es aber alles erstaunlich gut geklappt. Die Mechatronika habe ich mir zwar deutlich größer vorgestellt (etwa 20 Leute), aber immerhin... . Außerdem waren wir mit den beiden Deutschen aus Ilmenau beim Essen, bevor es ans Meer ging.
Außerdem - wie wahrscheinlich hinreichend aus anderen Blogs bekannt ist - waren wir auch einmal für zwei Tage am Don. Wir waren dort in einem Urlaubsdorf. Dort stehen lauter kleine Hütten für drei oder vier Personen direkt am Ufer, vom Wasser nur durch einen Sandstrand getrennt. Die Unterbringung ist recht einfach gehalten, was aber überhaupt nicht stört. Letztlich waren wir zehn Leute und haben insgesamt über 15kg Fleisch gegrillt (auch zum Frühstück) und ansonsten viel Volleyball im Sand gespielt. Leider habe ich mir dabei natürlich gleich mal den Fuß verstaucht, aber nach einer Nacht schlafen ging das wieder.
Einen Tag waren wir dann in Rostov zum Arbeiten. Wie schon mal angedeutet bestand unsere Arbeit darin, deutsche Dialoge aus einem Lehrbuch vorzulesen, weil nur Muttersprachler in Russland Lehrdialoge lesen dürfen. Wir sind morgens in das dortige Fernsehstudio gefahren und haben dann nach einer kurzen Führung fast fünf Stunden Dialoge gelesen. Angeblich haben wir alle ganz bezaubernde Stimmen und das Ergebnis klingt tatsächlich ganz akzeptabel - zumindest von den Stimmen, das was wir gelesen haben ist jetzt nicht so wirklich spannend.
An einem Wochenende war dann noch in Rostov Eröffnung des Eldorado, mit deutschen DJs. Das Eldorado ist ein OpenAir-Club, mit Schwimmbecken usw.. Dafür ist in Nowotscherkassk sogar extra ein Bus abgefahren. Im Bus haben wir (Christoph, Stefan, Natasha, Olga, ich) nur 500 Rubel für Busfahrt und Eintritt gezahlt. Nachdem sich der Bus noch ein paar Mal verfahren hatte, sind wir tatsächlich angekommen und haben da sogar noch Nastja getroffen, die allerdings woanders hingegangen ist. Nach einer knappen Stunde Wartezeit vor dem Club war dann der Organisator zusammen mit dem Bus weg. Da der Eintritt in den Club 800 Rubel gekostet hätte und das Eldorado am Arsch der Welt liegt, haben wir Nastja angerufen, die inzwischen schon im Bett war. Zusammen mit ihrem Bruder hat sie uns dann abgeholt und wir sind zu siebt in einem nicht allzu großen Lada nach Hause gefahren. Unterwegs mussten mal noch zwei aussteigen, um an einem Posten der DPS (Straßenpolizei) keine Probleme zu bekommen. Letztlich waren wir dann um halb sechs wieder am Wohnheim, haben da noch eine halbe Stunde gesessen und dann war die Sache auch vorbei.
Am Samstag (also übermorgen) ist mal wieder Arbeit angesagt - wir sind eingeladen, die deutsche Delegation aus Ilmenau hier in Nowotscherkassk zu begrüßen, bzw. denen ein bisschen was zu erzählen. Da die Vorlesungszeit hier vor einem Monat aufgehört hat und seit dieser Woche auch die letzten Prüfungen um sind und sogar schon die Diplome ausgegeben worden sind (mit entsprechenden Feierlichkeiten), leert sich Nowotscherkassk langsam. Aus diesem Grund sollen wir irgendwie wohl für Unterhaltung sorgen.
  Nachdem wir die Genialität der hiesigen Eisenbahn erkannt haben (ewigst billig und geile Streckenführung), sind wir dann gleich mal nach Taganrog gefahren. Die Stadt an sich ist jetzt nicht großartig anders, als zum Beispiel Rostov, allerdings waren der Markt deutlich größer und natürlich liegt die Stadt am "Meer". Zum Meer führen auch viele extrem schmaler Pfade, direkt die Steilküste hinunter, in die auch lauter kleine Häuschen gebaut sind. Das Meer selbst sah nicht wirklich sauber aus, gebadet haben wir jedenfalls nicht. Auf dem Rückweg waren wir dann noch in einem Restaurant, das 1,5kg-Pizzen auftischt und außerdem teilweise sehr seltsame Getränke auf der Karte hat.
Gleich am nächsten Tag waren wir dann in Tscherkassk. Tscherkassk ist ein winziges Dorf, das früher einmal recht groß war, bevor die Stadt auf den hiesigen Hügel verlegt wurde. Hauptsächlich besteht der Ort aus vielen Kirchen und Museen. Insgesamt ganz nett.
Weil ich es bisher noch nicht erwähnt habe: Je nach Bewölkung (heute mal mehr), ist es inzwischen hier teilweise brutal warm. Selbst bei komplett bedecktem Himmel kann man ohne Probleme in kurzer Hose und kurzem Hemd vor die Tür gehen. Gott sei Dank ist der Campus mit vielen Bäumen bepflanzt und unser Gebäude mit dicken Wänden ausgerüstet, obwohl es in unserem Raum schon auch unangenehm ist.
Um für Abkühlung und Abwechslung zu sorgen, sind wir letztes Wochenende dann ans Schwarze Meer gefahren. Wie üblich war Hin- und Rückfahrt mit dem Bus über Nacht. Dieses Mal war der Bus aber nicht randvoll und außerdem nicht aus Korea, so dass man mindestens zwei Plätze zum Schafen hatte. Hat nicht so richtig viel geholfen, war aber besser als nach Wolgograd. Wir waren dann um halb sieben da und sind auch gleich an den Strand. Wegen der Lage des Ortes und dem stillen Meer nur Kiesstrand, aber dann hat man wenigstens den Sand nicht wochenlang überall. "Karbadinka" (kA wie man das auf deutsch schreibt) ist ein typischer Urlaubsort, mit Uferpromenade, den dazugehörigen Restaurants, Fahrgeschäften und Diskos. Nach etlichen Stunden am Strand sind wir dann Abends in eine Elektro-Disko gegangen. Sehr gute Musik, Reste von Schaum am Boden und im Gegensatz zum Rest der Stadt gar nicht so teuer (150 Rubel Eintritt). Am zweiten Tag waren wir dann an irgendeinem See im Hinterland von Noworassisk (kA wie man das auf deutsch schreibt). Die Tatsache, dass ich den Namen des Ortes vergessen habe lässt auf die Schönheit schließen. Es war nicht schlecht, aber wie üblich war ein Ufer vollkommen verbaut, zum Anderen waren es zig Kilometer und an der Sektfabrik hatte ich kein Interesse. Auf der Rückfahrt sind wir dann in unsere erste DPS-Kontrolle geraten, war aber wenig spektakulär. Auch an diesem Abend waren wir in der Disko, diesmal mit richtiger Schaumparty. Diesmal war der Spaß schon teurer - hätten wir gewusst, dass diesmal kein Security an der 50cm hohen Rückmauer steht, wäre es aber billiger gewesen. Wegen Lärmschutz (oder sowas) machen in Karbadinka aber alle Geschäfte um zwei Uhr zu, so auch diesmal. Am letzten Tag waren wir wieder am Strand, aber das Wetter war nicht wirklich toll und um 19 Uhr ging es auch schon wieder zurück. Folge des frühen Aufbruchs war natürlich, dass wir schon um drei Uhr morgens vor dem Wohnheim gestanden sind. Erstaunlicherweise wurde uns aber aufgesperrt.
Letzten Freitag war dann die Russischprüfung. Der Prüfungsablauf hier ist „etwas“ anders, als in München, daher denke ich war die Prüfung schon erfolgreich. Wir mussten zuerst 165 Multiple-Choise-Fragen zu Grammatik beantworten und nach einer kurzen Pause dann noch einen Text über uns schreiben. Heute war dann auch das letzte Mal Kurs.

Und in welcher Einheit wird jetzt die Güte von Musik gemessen? Hier: In Kilowatt.
- "Und die spielen da gute Musik?"
- "Ja, 6kW Musik!"




Hütte am Don


Schiff auf dem Don


Der Strand


Noch einmal der Strand


Das Toinstudio im Fernsehstudio


Unser Zug nach Taganrog an einer Haltestelle


Landschaft


Schon wieder Landschaft


Hier kann man sich billige Häuschen kaufen (das Gelbe sind Gasleitungen)


Leute, die auf den Schienen warten, bis unser Zug vorbei ist


Der Markt in Taganrog


Die Fleischhalle auf dem Markt


Der kleine Hafen von Taganrog


Paul an der Schlüsselstelle


Der Strand von Taganrog


Mal wieder Landschaft auf der Rückfahrt


Ja! Der Vordergrund ist unscharf


Bahnfriedhof


Der Bahnhof in Rostov, an dem wir auch an unserem ersten Tag angekommen sind


Eine der Kirchen von Tscherkassk


Tscherkassk zu seiner Blütezeit


Ein original Samovar


Sehr altes Haus


Der bereits erwähnte See


Die Uferpromenade


Ein Schiff auf dem schwarzen Meer


Alte russische Limosine


Extreme Sicherheitsvorkehrungen gehören zum Alltag


Hauptsache es funktioniert


Ne Plumö!

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01.07.2009 - 10:03 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Russische Hochzeiten rocken

Ein Beitrag zu 6kW Musik und meiner weiteren Planung.


Vor fast zwei Wochen hat uns Artiom gefragt, ob wir Lust hätten auf ein Elektro-OpenAir in Rostov am 20.06. zu gehen. Die Musik sollte gut sein, schließlich haben die (bereits erwähnte) 6kW. Wir haben Artiom also 500 Rubel (wieder einmal) gegeben und dann recht lange nichts gehört (wieder einmal). Am Tag des Open-Airs haben wir dann eine Mail bekommen, in der der Weg und weitere Einzelheiten beschrieben wurden. Sehr freie Übersetzung:

Willkommen auf meiner Hochzeit / meinem privaten Open-Air.
Anbei die Wegbeschreibung und weitere Einzelheiten.
Wenn ihr in Rostov seid, nehmt ihr die Marschrutka (Kleinbuslinie) 63 bis zur Endstation in einer Vorstadtsiedlung (etwa 20km vom Zentrum entfernt). Von der Endstation geht ihr dann immer der Straße nach, bis zu einem in Bau befindlichen roten Haus (etwa 3km). Von dort geht ihr den Weg durch den Wald. Der Weg ist mit farbigen Bändern gekennzeichnet. Irgendwann erreicht ihr dann das Gelände. Versucht vor Einbruch der Dunkelheit zu kommen, danach wird es sehr schwer. Auf dem Gelände gibt es eine kostenlose Bar, unter Anderem mit gutem Tee für wenig Geld.
Wenn ihr auf dem Weg den Förster trefft, sagt, ihr geht auf eine Hochzeit und nicht in die Disko!

Aus der Mail wurde schon recht schnell klar, das die ganze Sache nicht so richtig legal ist, daher am Ende der Welt statt findet und die Erwähnung des „guten Tees“ war auch seltsam. Am Samstag sind wir dann aber gut ausgerüstet losgezogen. Wie üblich zuerst mit der Paputka (per Anhalter) nach Rostov. Unterwegs hat der Fahrer dann angeboten, uns gleich direkt zur Endstation der Marschrutka zu fahren, somit war das schonmal recht angenehm. An der Endstation haben wir dann gleich noch eine Gruppe getroffen, die inklusive Kinder auf das Festival wollte. Nach einem unfreiwilligen kurzen Abstecher in die Pampa (der Orientierungssinn von dem Einen war der Hammer und das obwohl wir alle den anderen Weg nehmen wollten) und schier endlosem marschieren sind wir dann am Wald angekommen. Schon auf dem Weg hat man die ganze Zeit die Musik gut hören können, so richtig geheim war es also auch schon nicht mehr. Der Weg durch den Wald und über die Wiesen war tatsächlich mit farbigen Bändern gekennzeichnet. Unterwegs waren auf dem Weg immer wieder tiefe, getarnte Gruben ausgehoben um die Polizei fernzuhalten. Kurz nach Sonnenuntergang konnten wir dann durch die Bäume das Gelände ausmachen. Vorne die Bühne mit Boxen und Licht, ganz hinten ein Tisch mit den Getränken (Cognac in 5L-Kanistern, ...), an einer Seite der rot beleuchtete See, an der anderen zwischen den Bäumen gespannte Tücher und ein Zelt für die Kinder. Insgesamt waren etwa 30 Leute da auf einer Fläche von 200m². Als Hochzeitsmusik wurde Psy-Trance und Goa von richtigen Djs (unter anderem aus Moskau) aufgelegt – und sie hatten es drauf. Illegal, aber richtig gut. Mit Sonnenaufgang sind wir dann wieder aufgebrochen auf unseren langen Weg nach Hause. Inzwischen war es richtig kalt geworden – man konnte den eigenen Atem sehr gut sehen. Gott sei Dank mussten wir nach dem Fußmarsch gar nicht so lange auf die Marschrutka warten und auch eine Paputka stand auch schon in Rostov bereit (ein Wolga – wenig spektakulär). Um kurz vor acht war dann der Tag schon zu Ende.
 
Was steht noch an?
Mindestens drei Reiseziele stehen schon fest, nämlich Moskau, St. Petersburg und der Kaukasus. Dabei macht der Kaukasus die größten Probleme, weil es schier unmöglich ist, irgendwelche Informationen zu bekommen. Anscheinend fährt aber der Alpin-Club der Universität Anfang August für etwa zwei Wochen irgendwo an den Elbruss, das ist momentan die einzige Perspektive. Moskau und St. Petersburg werde ich wohl ganz am Ende machen, weil beide Städte auf dem Weg nach Hause liegen und gerade die Strecke Moskau – St. Petersburg unheimlich teuer ist. Bleibt also noch ein bisschen Zeit im Juli und vielleicht Mitte August. Ich hoffe da irgendwann mal nach Osten zu kommen, die Fahrzeiten sind aber eben recht groß, Omar will auch nach St. Petersburg und nach Osten, vielleicht machen wir zumindest eine Fahrt zusammen (die nach Osten).
Wie ich genau nach Hause komme, weiß ich auch noch nicht, wahrscheinlich aber mit dem Schiff von Helsinki aus (nach Travemünde) und anschließend mit dem Zug. Ich hatte mir ja ursprünglich überlegt mit dem Zug nach Wladiwostok zu fahren und dann gleich „jemanden“ in Japan zu besuchen, aber die Gepäckkosten für den Rückflug würden wahrscheinlich alles sprengen (drei Taschen mit zusammen wahrscheinlich 80kg). Je nachdem wie sich das ganze Ausgeht werde ich wahrscheinlich Mitte September wieder da sein.

Und noch was total Unspektakuläres? Klar! Meiner PC-Maus tut die russische Luft nicht gut, jedenfalls ist das Kabel locker, was zu Unbrauchbarkeit führt. Da werde ich wohl mal ingenieurmäßig tätig werden müssen und das Teil aufschrauben und das Kabel festmachen müssen.




Wegbeschreibung - erster Teil


Wegbeschreibung - zweiter Teil


(Schlechtes) Panorama meines Zimmers (irgendwann haben sie mal (für "zwei" Tage) mein anderes Bett geholt)

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01.07.2009 - 10:03 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Der Anfang vom Ende

Halbzeit – wer hat eigentlich an der Uhr gedreht?


Jetzt ist es tatsächlich schon Anfang Juli. Pünktlich zum 30.06. hat die Uni ihre Pforten geschlossen, was auch Zeit wurde, angesichts der Temperaturen hier und dem Zwang innerhalb der Uni lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen. Je nachdem, welchen Thermometern man glauben möchte hat es hier tagsüber zwischen 38 und 42°C, nach Untergang der Sonne um 23 Uhr immer noch knapp über 30°C. Anfang Juni habe ich ja noch gedacht, das war eine Übertreibung mit den Temperaturen hier, aber dann wurde es schlagartig derartig heiß. Anscheinend gibt es hier nur vier verschiedene Temperaturen: „verdammt kalt“, „ziemlich kalt“, „brutal heiß“, sowie ganz kurz „geht so“.
Da die Uni jetzt geschlossen ist, ist natürlich auch unser Russischkurs zu Ende und wir haben unsere Zertifikate erhalten. Außerdem finden jetzt auch keine Prüfungen mehr statt und die Diplome wurden in den letzten Wochen auch verteilt, was man auch daran sehen kann, dass vor der Uni etwa 10m³ getrockneter, klebriger Champagner den Grip der Straße erhöhen. So verlassen jetzt nach und nach alle „fremden“ Studenten Nowotscherkassk und die Stadt wird ruhiger. Auch Paul hat uns bereits mittels Auto verlassen. Inzwischen sollte er nach 60 Stunden Fahrt und einem Besuch in Polen wieder in Deutschland weilen.
Um die Temperaturen angenehmer zu machen waren wir letzte Woche wieder einmal am Don, diesmal aber für zwei Nächte und in anderer Besetzung. Wir sind Mittwoch Mittag mit dem Auto auf eine der Erholungsbasen gefahren, die irgendeinem Freund vom Onkel einer Freundin eines Freundes gehört, weshalb wir nichts für die Hütten bezahlen mussten, aber bereits Freitag Mittag wieder weg sein mussten. Gott sei Dank hat jeder von uns auf Verdacht fünf Liter Wasser mitgenommen, die sieben Liter die sonst zur Verfügung gestanden hätten, wären für zehn Leute „etwas“ wenig geworden (das war es so schon).
  Letzte Woche habe ich mir außerdem mal zwei Kaukasus-Karten gekauft, die zwar vom Maßstab eher bescheiden sind, aber immerhin kann man was erkennen und bisher haben wir weder Geschäft, noch Person gefunden, die anständige Karten gehabt hätte, oder wusste, wo es welche gäbe.
Mit dem Internet hier wird es auch nicht besser. Vor einiger Zeit haben sie uns ja bereits den Zugang ohne Volumenbeschränkung abgedreht und bisher trotz einiger Bemühungen nicht wieder aktiviert. Die 50MB pro Monat, die dann noch am Lehrstuhl zur Verfügung stehen sind auch nach spätestens zwei Tagen verbraucht, so das ich zwar einen Haufen Bilder habe, die aber nicht zeigen kann. Was noch schlechter ist, ist die Tatsache, dass auch arbeiten praktisch nicht geht. Zehn Mal in irgendeiner Dokumentation nachgeschlagen und die 50MB sind weg. Ich schätze zwar, den BeeLine-Internetstick kann man nur im rostover Oblast verwenden, sollte das aber nicht so sein, dann werde ich mir den wohl doch noch kaufen – 500MB pro Monat sind halt doch ein bisschen was.

So gibt’s eben nur kleine Bilder. Die haben zwar Links, aber diese führen ins Nichts, bis ich irgendwann, irgendwie die großen Versionen der Bilder hochladen kann.




Die Erholungsbasis (unter der Woche praktisch leer)


Unsere Hütte


Der Strand


Strand mit Boot


Die illustre Gruppe nach dem Abendessen


Die Katze hat ewig rumgeplärrt und hatte dann am Ende Erfolg


Käfer auf Baum (hier sind alle(!) Bäume unten weiß angestrichen, warum weiß Keiner


Landschaft zwischen Rostov und Nowotscherkassk


Schiff auf dem Don


Eine meiner Kaukasuskarten (irgendwann in voller Auflösung)


Die zweite Karte (auch irgendwann in voller Auflösung)


Das musste einfach mal sein

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01.07.2009 - 10:04 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Weil wir ewig Kinder sind

Party bis zum Anschlag – Neuigkeiten vom Ende der Welt


Den Meisten von euch wird „Ministry of Sound“ was sagen, für alle Anderen: Ministry of Sound ist ein extrem bekanntes Radioprogramm für elektronische Musik des britischen Senders „Radio One“. Letztes Wochenende war die Ministry-of-Sound-Tour zu Gast in Rostov, genauer im bereits bekannten Embargo. Nach der russischen Hochzeit vor knapp zwei Wochen jetzt also eine sehr westliche Veranstaltung. Wir sind natürlich wieder mit der Paputka nach Rostov gefahren und wieder wurden wir direkt zum Ziel gefahren. Eintritt war für russische Verhältnisse teuer (500 Rubel), dafür gab es zwei Areas und eine Nacht gute Musik. Wir sind diesmal also tatsächlich rein gekommen!
Aber auch reisetechnisch gibt es Neuigkeiten. Bisher sah es ja eher düster für eine Reise in den Kaukasus aus, aber an der Universität gibt es den bereits erwähnten Alpinclub, der zwar nicht in die Alpen fährt, dafür aber tatsächlich in den Kaukasus. Die Fahrt dauert über zwei Wochen und geht zu einem alten Ausbildungslager für Bergsteiger, 17km südwestlich von Bezengi, mitten im Hochkaukasus. Das Lager liegt auf 2800 Metern, direkt nebenan ein Gletscher und Berge mit deutlich über 4000 Meter Höhe. Das Lager ist die einzige Behausung im Umkreis von mehr als zehn Kilometern und wird unser Zuhause für die zwei Wochen sein. Bevor jemand zu suchen anfängt: Es gibt weder Führer noch genaue Karten von der Region, erst recht nicht seit dem Krieg mit Georgien. Die einzige genaue Karte gibt es im Lager selbst. Die Anreise wird wohl etwa zwei Tage dauern, weil in der Gegend nur Allradfahrzeuge vorwärts kommen und anscheinend auch etliche Militärposten die Fahrt behindern. Wenn nicht noch irgendjemand Einspruch erhebt, dann werden wir mitfahren – wegen einer generellen Reisewarnung für die Region wohl auch die einzige Möglichkeit da überhaupt hinzukommen. Bis es aber am 30. Juli so weit ist, sollen wir drei Mal die Woche abends ins Training kommen.
  Da ich mit so etwas nicht gerechnet habe, sind momentan leider ein paar Ausrüstungsgegenstände zu Hause. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber Gott sei Dank gibt es DHL. Ein normales Paket mit 5kg Gewicht wird innerhalb von maximal 15 Tagen auch nach Russland zugestellt und ist mit 38,50€ sogar bezahlbar (jedenfalls weniger, als hier irgendwelche drittklassige Ausrüstung zu überteuerten Preisen zu kaufen, sofern man überhaupt irgendwo was derartiges kaufen kann). Einziges Problem für den Absender ist die Zollerklärung, die auf russisch und französisch auszufüllen ist, aber da wird sich noch eine Lösung finden. Was ich genau brauche, weiß ich auch noch nicht, wahrscheinlich aber Steigeisen, Schlafsack, eine lange Unterhose, Regenhose, vielleicht noch ein Paar Handschuhe und evtl. einen Helm – das Paket wird schon voll werden.
Durch die oben beschriebene Veränderung ist mein bisheriger Plan natürlich auch überholt, ich weiß also nicht, wann ich wirklich nach Hause komme. Wenn sich keine Fahrt nach Osten mit Omar ergibt (nach dem Kaukasus schätzungsweise), könnte ich am 19. August mit Christoph nach Moskau, anschließend nach St.Petersburg und dann alleine (Christoph fliegt von St.Petersburg nach Köln) weiter nach Helsinki und mit dem Schiff zurück, so dass ich um den Zehnten wieder da wäre. Wenn die Zugfahrt an den Baikal aber bezahlbar ist, dann verschiebt sich das Ganze um zwei Wochen nach hinten (mehr geht auch nicht).




T-Shirt, das ich gefangen habe


1: Nowotscherkassk / Rostov
2: Karbadinka (wo wir am Meer waren)
3: Bezengi
4: Grosnij
5: Taganrog (waren wir auch)
6: Sochi
kA, ob man die Orte jetzt wirklich so schreibt - ich habe nur russische Karten hier


Alter! Die Fahrt in den Kaukasus wird so der Hammer werden! Ich zähle nur noch die Tage... - und lese zum x-ten Mal die gleichen Texte, nur um mich damit irgendwie beschäftigen zu können.
Das ist noch um so viel besser, als ich es jemals für möglich gehalten habe. Sochi war "geplant", Bezengi wird es - wow.

Zuletzt editiert von Fatuity am 01.07.2009 um 10:04 Uhr.

Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben. Aber die zweite liegt an dir und sonst niemandem.
 
 
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    The cake is a lie!

   
01.07.2009 - 10:04 zitieren     editieren
Da ich die letzten drei Wochen kein Internet hatte, haben sich hier inzwischen einige Einträge angesammelt, die ich jetzt auf einen Schlag online stelle. Wer also an einer chronologischen Erzählung interessiert ist, sollte nach unten scrollen, bis zum Eintrag „Arbeit und Urlaub“ und sich dann nach oben vorarbeiten. Außerdem gilt für alle Einträge, dass es leider nur die Vorschaubilder gibt, da mein Internetvolumen stark beschränkt ist.


Achterbahn

Irgendwas ist einfach immer


Für das Betreten der Grenzregion (wo sich Bezengi befindet) benötigt man eine Passage, um die sich der Leiter des Lagers kümmert. Deshalb haben wir ihm gestern Abend eine E-Mail geschrieben mit unseren ganzen Daten, womit wir mal wieder in die Fänge der hiesigen (ausufernden) Bürokratie geraten sind. Heute kam dann die nicht so tolle Antwort. Das Ausstellen der Passage dauert normalerweise etwa zwei Monate. In Russland wird generell mal gerne gesagt irgendwas sei unmöglich, weshalb ich noch nicht alles verloren glaube und daher auch immer noch mein Paket brauche. Sollte es mit dem Kaukasus nicht klappen werd ich das ganze Zeug schon anderweitig nutzen können.
  Inzwischen weiß ich auch genau, was ich noch alles brauche, so dass eigentlich nur noch die Zollerklärung ein Hindernis darstellt. Das Paket kostet mit DHL 38,50€ bis 5kg, bis 10kg dann 47€. Das ist etwa die Hälfte der Kosten, die man für Übergepäck bei einem Flug zahlen müsste und sollte die Passage doch rechtzeitig ausgestellt werden und dann hat man wegen 50€ keine Ausrüstung, wäre die Katastrophe perfekt.

Heute ist zwar der 01.07., aber Internet habe ich deswegen trotzdem nicht. Am Lehrstuhl haben wir (was wir bisher nicht wussten) nur fuer zwei Monate Internet gehabt, insofern werden sie mich da in Zukunft nicht mehr sehen.

Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben. Aber die zweite liegt an dir und sonst niemandem.
 
 
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20.07.2009 - 12:48 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Bergklub Nowotscherkassk

Bei Müll sind sie am Ende dann doch alle gleich.


Wie ich ja schon geschrieben habe, haben wir vor etwas mehr als einer Woche den Bergklub der Universität hier kennen gelernt. Die Klubmitglieder treffen sich drei Mal in der Woche abends zum sogenannten Training. Als Trainingsgelände steht eine Hauswand zur Verfügung, bei der Teile des Mauerwerks als Griffe ausgebrochen, beziehungsweise auch Klettergriffe geschraubt wurden. Daneben besteht noch, an einer weiteren Hauswand entlang, ein etwa 30 Meter langer Quergang (Fotos folgen).
Außerdem gibt es etwa 80 Kilometer entfernt einen Klettergarten, sowie einen Baggersee, zu dem manche Mitglieder unregelmäßig fahren, Als inoffizielle Klubmitglieder wurden wir letzten Mittwoch dann auch gleich eingeladen, am Wochenende mit zum Baden zu fahren, was wir natürlich gemacht haben.
Nach dem Aufstehen am Samstag Morgen, sind wir die dreiviertel Stunde zum Bahnhof gegangen und waren dann dort auch pünktlichst (wie es sich für Deutsche gehört) um sieben Uhr. Eine viertel Stunde später sind dann auch unsere ganzen Mitreisenden eingetroffen. Normalerweise fahren nur zwischen vier und sechs Leute, dieses Mal waren wir aber über zehn Personen. Nach kurzer Wartezeit kam dann unser Zug und wir sind Richtung Solin losgefahren. Dort angekommen ging es dann ein paar hundert Meter durch die Natur, bevor wir den recht großen Baggersee erreicht haben. Der Baggersee ist schon seit 40 Jahren außer Betrieb und mit sehr steilen Ufern versehen. Leider waren die Ufer, wie üblich, mit Unmengen von Müll verseucht – den Müll aus dem Wasser haben ein paar von uns, unter schimpfen auf die Verursacher, immerhin zu einem großen Haufen zusammen getragen. Leider war das Wetter nicht das Allerbeste, aber das Wasser war so warm, dass man trotzdem gut baden konnte. Wegen dem schlechten Wetter haben wir dann, nach dem ausgiebigen Essen, beschlossen zu dem Klettergarten zu fahren – also wieder zum Bahnhof laufen, in den Zug steigen, drei Stationen fahren und schon waren wir im Nichts. Nach ein paar Kilometern Fußmarsch auf einem Waldweg wurde ein Dorf sichtbar, der Waldweg war dessen Hauptstraße. Dort gab es noch ein Geschäft für die wichtigsten Einkäufe und dann begann der nächste Teil des Fußmarsches, inzwischen wieder bei Sonne (=heiß). Nach schier endlosem Gehen und der Überquerung eines Flusses standen wir dann an der Kletterwand und schlugen nicht weit davon entfernt in einem Wald unser Lager auf. Da es inzwischen schon fast dunkel war, wurde das Klettern auf den nächsten Tag verschoben. Irgendwo im Wald ist ein Versteck und aus diesem wurden diverse Töpfe und weitere Lebensmittel gezaubert, mit denen das Abendessen möglich wurde. Zur Unterhaltung hat irgendjemand außerdem noch eine Gitarre mitgeschleppt.
  Der nächste Tag war sonnig und mit dem Klettern verging die Zeit sehr schnell. Um 17 Uhr mussten wir bereits wieder losgehen, um unseren Zug noch zu erreichen. Die angefallene Menge Müll wurde vorher „sauber“ verbrannt (inklusive Plastik und Metalldosen), was nicht verbrannt werden konnte (Glas) wurde in einer Tüte mitgenommen. Diese Tüte landete dann aber wenig später auf einem großen Müllberg im Wald, so viel besser sind sie also auch nicht. Inzwischen war das Wetter alles andere als gut, rund um uns regnete es heftig und es ging ordentlich Wind. Trotzdem haben wir es trocken in unseren Zug geschafft und sogar trocken in unseren Bus, dann ging allerdings der Weltuntergang los. Die Straßen wurden zu reißenden Flüssen und daher sind wir nicht ganz so trocken im Wohnheim angekommen.
In zwei Wochen wird wieder zum Baden/Klettern gefahren, dafür sind wir schon eingeladen. Vielleicht habe ich ja dann schon mein Paket, dann ist die Sicherung nicht mehr ganz so abenteuerlich.




Der Baggersee ...


... mit Sprungfelsen


Die Kletterwand


Unser Lager im Wald


Die Gruppe nachts


Eidechse auf meinem Arm

Zuletzt editiert von Fatuity am 20.07.2009 um 12:52 Uhr.

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Im Touristenzentrum Russlands

Urlaub, wo auch Putin Urlaub macht


Dieses Wochenende waren wir nicht mit in Solin, sondern sind nach Sochi (Sotschi) gefahren. In den Unmenngen russischer Züge gibt es immer mal wieder Züge mit einem Sitzwagen und eben so einen Zug haben wir (Christoph und ich – Stefan kam aus Moskau per Flugzeug, unsere weitere Begleitung wohnte bei deren Oma) uns für die 15-stündige Hinreise ausgesucht. Für etwa sechs Euro haben wir die Nacht auf recht bequemen Liegesesseln verbracht, allerdings war die Nacht nicht sonderlich lang, da unser Zug um 3:36 morgens in Sochi war.
Nach einer Stadtbesichtigung und dem gescheiterten Versuch am Strand zu schlafen, haben wir am Bahnhof auf den Rest unserer Reisegruppe gewartet. Die Stadtbesichtigung hat vor allem gezeigt, dass man in Sochi keinen sehr großen Wert auf ein ansprechendes Stadtbild legt. Überall werden extrem hohe Hotelblöcke gebaut, die alles andere als schön sind. Es gibt zwar einige Parks in der Stadt, diese sind aber normalerweise mit irgendwelchen Fahrgeschäften und Kiosken gepflastert. Zu guter Letzt kommt dann noch der Verkehr, der wirklich sehr viel ist und die städtischen Straßen deutlich überlastet. Nach dem Warten auf den Rest (der ja bei der Oma wohnt) ging es erstmal an einen etwas abgelegenen Strand, an dem wir den Rest des Tages verbracht haben. Der Strand war wie üblich ein Kiesstrand und gut besucht – es war aber noch akzeptabel. Am Abend ging es dann für Christoph und mich nach Krasnaja Poljana, den Austragungsort der olympischen Winterspiele 2014. Dort hatten wir für wenig Geld zwei Nächte in einem Hostel gebucht. Die richtige Bushaltestelle zum Aussteigen haben wir noch gefunden, dann wurde es allerdings kompliziert. Wir hatten zwar Adresse und auch Stadtplan, im Olympiaort haben wir aber außer jeder Menge Bauruinen, Feldwegen und frei laufender Schweine wenig gefunden. Erst die Hilfe eines Einheimischen hat uns zu unserer Herberge geführt. Das Hostel war ein großes Haus, in dem eine „Familie“ gewohnt hat und eines der Zimmer wurde vermietet. Wir haben reichlich zu essen bekommen, das Angebot für 2000 Rubel „Jeeping“ zu machen, oder für 1000 Rubel mit Führer einen Berg zu besteigen, aber abgelehnt.
  Am Samstag sind wir stattdessen dann zu einem der zwei Lifte im Olympiaort gefahren. Von den 700 Rubeln für eine Bergfahrt abgeschreckt, habe ich dann entschieden zu Fuß nach oben zu gehen. Diese Idee war den reichlich vorhandenen Exkursionsanbietern aber nicht so recht und so wurde folgendes gesagt:
- „Das ist zu weit, das geht nicht!“
- „Nein, das geht auf jeden Fall.“
- „Man kann da nicht hoch, da sind Zäune!“
- „Egal, da kommt man drüber.“
- „Aber da sind Wachleute überall!“ (wohlgemerkt mitten im unerschlossenen Berggebiet)
- „Kann ich mir nicht vorstellen.“
- „Aber da sind Grenzsoldaten!“
- „Wieso sollten da Soldaten sein?“
- „Egal, jedenfalls kann man da nicht zu Fuß hoch!“
Ich bin dann zusammen mit Christoph aber trotzdem bis nach oben gegangen und das ohne Auto, ohne Zäune, ohne Wachleute, ohne Soldaten und überhaupt ohne Probleme und zur Belohnung haben wir dann die Fahrt nach unten mit dem Lift geschenkt bekommen. Der Lift hat etwa das Tempo eines Maultiers, keine Ahnung, wie man damit olympische Wettkämpfe umsetzen will.
Abends haben wir uns dann noch ein bisschen über die Olympiastadt Sochi, beziehungsweise deren Bewerbung informiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass das Ganze 2014 wohl in Salzburg stattfindet, weil von Null auf 100 in in fünf Jahren wohl nicht zu schaffen ist.
Den letzten Tag haben wir dann wieder am Strand in Sochi (und diesmal wirklich in Sochi) verbracht. Nicht besonders überzeugen, aber noch akzeptabel. Abends sind wir dann alle zu besagter Oma gefahren, haben dort reichlich gegessen und sind schließlich wieder mit dem Zug Richtung Nowotscherkassk aufgebrochen, wo wir heute um halb zwölf (wie immer pünktlich) angekommen sind.
Von den Reichen und Schönen war insgesamt in Sochi wenig zu sehen und auch insgesamt ist es mit dem Tourismus (noch) nicht weit her. Für Olympia habe ich ernsthafte Zweifel, ob das funktionieren wird und die rücksichtslose Baupolitik gibt dann der Stadt den Rest - andere Orte in Russland sind schöner.




Himmel seit zwei Monaten


Ein russisches Bahnticket (nicht bloß so ein Papierfetzen wie bei uns)


Verkehr in Sochi


Neubau in Sochi


Eines der vielen Hotels, direkt am Strand


Gipfel über Krasnaja Poljana


Gipfel irgendwo in Georgien


Die Aussichtsplattform am Ende des Lifts (mit Zaun, damit die Russen in Flip-Flops nicht irgendwo runterfallen)


Straße in Krasnaja Poljana


Die Hauptstraße


Das Krankenhaus


Hubschrauber auf dem Heliport (250€/Stunde)


Riesenrad in einem Park Sochis


Sonnenuntergang über Sochi

Zuletzt editiert von Fatuity am 20.07.2009 um 12:52 Uhr.

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27.07.2009 - 11:34 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Das Ziel fest im Visier

Nur noch eine Woche in Nowotscherkassk


Als am 09.07. mein Paket in Deutschland gestartet ist, war es ja noch vollkommen unbekannt, was ich Ende Juli, beziehungsweise Anfang August machen werde. Für den Kaukasus braucht man ja diese spezielle Genehmigung, die für Ausländer normalerweise zwei Monate dauert. Leider haben wir von der Kaukasusfahrt des Bergclubs erst Anfang Juli erfahren, so dass etwas wenig Zeit für die Genehmigung war. Außerdem braucht das Paket mit DHL nicht 15 Tage, sondern 21 (15 Werktage), so dass es zwei Wochen irgendwo in Russland lag. Trotzdem war es die absolut richtige Entscheidung, das Paket hier her kommen zu lassen.
Letzten Freitag war das Paket um 16 Uhr noch „im Zielland“ (wie seit zwei Wochen), dann kam aber Bewegung in die Sache. Um 18 Uhr haben wir von den russischen Behörden die Genehmigung erhalten, in die georgische Grenzregion, das heißt in den Kaukasus fahren zu dürfen. Außerdem kümmern sich die dortigen Stellen um alles Weitere, wie die Registrierung. Beim Training am Abend haben wir dann die vollständige Ausrüstungsliste bekommen und man glaubt es kaum, seit Samstag Morgen ist mein Paket wieder unterwegs Richtung Nowotscherkassk, sollte also heute, oder morgen rechtzeitig hier ankommen.
  Somit werde ich die vollen 16 Tage im Kaukasus verbringen. Christoph und Stefan werden mangels Ausrüstung nur ein paar Tage bleiben und dann nach Nowotscherkassk, beziehungsweise Österreich zurückkehren. Diese Woche werden wir wohl noch nach Rostov fahren und die letzten verbleibenden Dinge, wie russischen Kocher, Sonnencreme, großen Rucksack, usw. einkaufen.
Diese 180°-Wende – wir hatten nicht mehr damit gerechnet (aber gehofft) in den Kaukasus zu können – bedeutet, dass ich nur noch sieben Tage hier in Nowotscherkassk sein werde. Diese Woche, bis Freitag Abend und dann noch einen Tag (17.08.) nach dem Kaukasus. Danach bereits erwähnte Stadtreise nach Moskau (bis 26.08.), dann nach Petersburg (bis 03.09.) und schließlich noch Helsinki. Für die Rückfahrt habe ich schon Schiff und Bahn gebucht, fehlt nur noch das Hostel in Helsinki, wobei ich schon weiß welches es sein wird.


Da in der letzten Woche wenig los war, gibt es diesmal nur ein paar allgemeine Bilder von Tieren vor meinem Fenster (sollte mal ein eigener Beitrag werden).



Katze


Ncoh eine Katze


Hund


Eine weitere Katze


Ui, noch eine


Junge Katze (gerade gibt es unglaublich viele ganz junge Katzen)


Eine der vielen regelmäßigen Besucher der Müllcontainer mit Anhang (Katzen)

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31.07.2009 - 07:49 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Was lange währt, wird endlich gut

Immer alles auf den letzten Drücker


Heute Abend um 20 Uhr geht es los in den Kaukasus. Gestern waren wir deshalb in Rostov und haben noch ein paar Ausrüstungsgegenstände gekauft. Da mein Paket immer noch nicht da war, bei DHL (nie wieder!) niemand auf Mails antwortet und die Sendungsverfolgung wie üblich vollkommen nutzlos war, musste ich auch noch ein paar Sachen kaufen, um wenigstens fünf Tage mitfahren zu können. Wir waren Ewigkeiten in drei verschiedenen Läden und am Ende hatte ich Gamaschen, eine Thermoskanne, einen Teller und einen großen Rucksack in meinem Repertoire.
Stefan war schon deutlich länger als wir in Rostov, da er noch sein Paket in die Gegenrichtung losschicken wollte. Um innerhalb Russlands ein Paket schicken zu können, das ein gewissen Maß überschreitet, oder in dem auch nur eine einzige Drucksache (ein Blatt Papier reicht) ist, muss das gesamte Paket in einen großen Sack. Diesen Sack kann man aber nicht kaufen, sondern muss sich diesen, laut Aussage der hiesigen Post, selbst nähen. Auf der Post in Rostov wird aber immerhin der Service angeboten, dass die dortigen Angestellten vor Ort den Sack nähen.
  In eben so einem Sack kam dann auch mein Paket an, zehn Minuten nachdem ich wieder zu Hause war. Ob es der Zoll geöffnet hat, oder nicht lässt sich wegen der starken Deformation des Pakets nicht mehr nachvollziehen, Zoll bezahlen musste ich jedenfalls nicht. Das Paket ist, soweit ich weiß, vollständig und so kann nun - wenn ich mir gleich noch Sonnencreme gekauft habe - die Reise wirklich losgehen.
Auf diesem Weg auch noch einmal vielen Dank an Alle, die geschickt, gehofft und Terror bei den verschiedenen Postgesellschaften gemacht haben (und das waren Viele).

Ich komme am 17.08. wieder nach Nowotscherkassk, werde ein Nacht auf der Straße (oder im Hotel) verbringen (ich ziehe heute aus dem Wohnheim aus) und dann geht es gleich weiter nach Moskau. Da ich bezweifle, dass im Bezengi Handyempfang ist (Internet über Handy kostet hier praktisch nichts, im Gegensatz zu den Roaminggebühren zwischen "Bundesländern"), werdet ihr frühestens am 17.08., wahrscheinlich aber erst am 19.08. wieder was von mir hören.




Das Paket direkt nach der Ankunft


Der gesamte Inhalt (die Spitze des Pickels hatte das paket durchstoßen und war mit mindestens einer Rolle Klebeband umklebt)

Zuletzt editiert von Fatuity am 31.07.2009 um 07:50 Uhr.

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19.08.2009 - 23:20 Bilder anzeigen     zitieren     editieren

Fels und Eis

Der wilde Kaukasus – der russische Himalaja



Ich teile diesen Blogbeitrag in drei Teile auf. Im ersten Teil werde ich einfach erzählen, was ich so die letzten zwei Wochen gemacht habe. Im zweiten Teil geht es dann um den russischen Alpinismus und im letzten Teil noch ein paar allgemeine Gedanken zu russischer Bergtechnik und russischem Essen.

Ich war jetzt also tatsächlich im Kaukasus und es war wunderbar.
Am 31.07. sind wir abends in Nowotscherkassk in einem ehemals österreichischen Autobus losgefahren und die ganze Nacht bis Naltschik, die Hauptstadt der Republik Kabardino-Balkarien gefahren. Vorher hatten wir ja von diversen Stellen alles Mögliche über Sicherheit, Polizei und Militär gehört, die Russen haben aber stets gesagt, dass es kein Problem gebe, ich war also beruhigt. In Naltschik haben wir dann unser ganzes Gepäck – der Bus hat hinten praktisch auf der Straße geschliffen, so viel Zeug hatten wir dabei – ausgeladen und nach einiger Wartezeit in drei kleinere Busse umgeladen, die uns in das Lager hinter dem Ort Bezengi bringen sollten. Die kleineren Busse hatten schwer zu kämpfen mit ihrer Last, als sie uns langsam von fast null auf 2200m bringen mussten. Die Straße war stets ein Feldweg, der wie wir später erfahren haben durchaus auch mit normalen PKW bewältigt werden konnte. Unterwegs war eigentlich nur eine wirkliche Kontrolle, die hat dafür recht lange gedauert. An dem dortigen Militärposten werden sämtliche Namen handschriftlich in ein Heft notiert, damit auch niemand illegal das georgische Grenzgebiet kommt. Bei der „Ausreise“ werden die Namen dann wieder gestrichen.
Wir sind dann am späten Nachmittag mit dem üblichen Nachmittagsschauer im Lager angekommen. Überhaupt sollte man stets zusehen mittags wieder im Lager zu sein, da am Nachmittag andauernd Lawinen zu Tal gehen und es außerdem praktisch jeden Tag nachmittags regnet.
Entgegen meiner Annahme war das ganze Lager Bezengi recht befestigt und es wird auch noch weiter ausgebaut mit neuen Unterkunftshäusern. Wir haben dann auf einem ehemaligen Fußballfeld unser Hauptlager aus Zelten aufgebaut, was bis in den späten Abend gedauert hat. Gott sei Dank konnten wir als Aufenthaltsraum die fest aufgebauten großen Zelte nutzen, sonst wäre es bei dem vielen Regen unangenehm geworden.
Nach der ersten Nacht im Zelt (allein, weil der Aufdruck „2 Mann“ eher als Notfalloption zu sehen ist) sind wir am 02.08. dann zu unser ersten Unterrichtsstunde aufgebrochen. Mangels russischem Abzeichen wurden wir in die Anfängergruppe eingeteilt, die an diesem Tag Bewegung auf Gras, Geröll und sonstigem Untergrund gelernt haben. Nach etlichen nicht sonderlich spannenden Stunden ging es dann wieder zurück ins Lager, um dort einen Vortrag über Gefahren in den Bergen und über Erste Hilfe zu hören.
Am zweiten Tag stand Technik mit Seil und Haken auf dem Programm, wofür wir das erste Mal zu einem der beiden großen Gletscher gegangen sind um dort dann im benachbarten Geröll mit Unmengen an Seilen zu hantieren. Auch an diesem Tag nichts Neues, außer dass die russische Sicherungstechnik extrem gewöhnungsbedürftig ist.
Am dritten Tag ging es dann los ins erste Basislager auf 3050m. Gott sei Dank war es uns heute erlaubt – da inzwischen mehrere Leute erkannt hatten, dass wir nicht ganz so unbedarft sind – mit unserem Tempo zu gehen und nicht hinter den sehr langsamen Damen der Gruppe herzutrotten. Gerade als ich ankam, ging an unserem zukünftigen Lager ein Bergretter vorbei. Auf die Frage ob das was passiert ist schlimm sei, antwortete er nur „sehr“. Nach dem Abendessen wurden wir dann zusammengerufen und zusammen mit vielen anderen Leuten sind wir um zehn Uhr nachts aufgebrochen um den Verunglückten zu helfen. Sie waren in ein selbst ausgelöstes Schneebrett gekommen, als sie ohne Sicherung nachmittags ein riesiges 60°-Schneefeld gequert haben. Einer der Gruppe war sofort tot, zwei waren nur noch liegend transportabel, der Rest der Gruppe konnte noch mehr oder weniger von alleine gehen, sah aber teilweise nicht mehr so gut aus. Wir sind jedenfalls zu dem Gletscher auf 3400m gegangen, haben dort gewartet, bis die Profis die Verletzten zum Fuß des Gletschers gebracht hatten und sind dann mit dem am schwersten Verletzten wieder nach unten gegangen, was sich als extrem schwierig und schweißtreibend herausgestellt hat. Morgens um fünf waren wir dann endlich in unseren Zelten und haben den ganzen Tag mehr oder weniger verschlafen. Kurz vor Mittag sind dann die weiteren Verletzten eingetroffen, die dann tatsächlich knapp 24 Stunden nach dem Vorfall ausgeflogen wurden.
Am fünften Tag waren wir dann endlich der besten, noch geführten Gruppe zugeordnet und durften das erste Mal auf einen Berg gehen. Das Wetter war hervorragend und beim Aufstieg wurden wir noch in die Geheimnisse der Sicherung im Eis eingeweiht. Nach relativ langem Umweg waren wir dann auch tatsächlich am Gipfel des Pic Brno. Zurück auf dem Gletscher haben sich dann die Wege von Christoph, Stefan und mir getrennt. Christoph und Stefan sind mit einer anderen Gruppe abgestiegen und dann auch gleich nach Hause gefahren, während ich ja noch „ein bisschen“ bleiben sollte. Wir haben dann auf dem Gletscher noch aufgeräumt, das heißt das Zelt und die Habseligkeiten der Verunglückten zusammengesammelt und sind danach mit dem noch brauchbaren Material abgestiegen. Das unbrauchbare Material wurde russlandtypisch in der nächsten Gletscherspalte versenkt.
Am 7.8. war dann für meine Gruppe (ich blieb in der guten Gruppe) Gletschertraining angesagt, für den Rest Pic Brno. Schon morgens kurz nach dem Aufstehen kam allerdings das erste Gewitter, so dass unser Training erst einmal verschoben wurde. Nachmittags und nach dem zweiten Gewitter sind wir dann aufgebrochen, haben ein paar Sachen geübt und sind dann schnell wieder zurück, da eine weitere Front nahte. Während wir wieder in unseren Zelten lagen ist dann auch der Rest vom Pic Brno wiedergekommen, beziehungsweise vom Gletscher, weiter sind sie nicht gekommen.
Wir sind dann noch zurück ins Hauptlager gegangen, um dort einen Tag zu entspannen. Leider war das Wetter nach unserem Ruhetag alles andere als gut. Im Bezengi gibt es keinen Wetterdienst, stattdessen werden einfach die zweistündlichen Meldungen der Gruppen über Funk um sieben Uhr morgens dazu genutzt das Wetter zu erfahren. An diesem Tag hat es oberhalb von 3000m stark geschneit und es war ordentlich Wind, so dass wir in unserem Lager geblieben sind.
  Am 10.8. ging es dann doch 8 Stunden lang über den größten Gletscher des Kaukasus nach oben in das österreichische Lager. Meine Gruppe ist da um 18 Uhr angekommen, nachdem wir ewig durch riesige Nebelfelder gewandelt sind. Komischerweise war von den Anderen auch um 22 Uhr noch nichts zu sehen, so dass wir mal wieder mit Taschenlampen zu einer nächtlichen Suchaktion ausgeschwärmt sind. Mit den Leuten war alles in bester Ordnung, nur waren sie extrem langsam. Wir haben also ein paar Rucksäcke übernommen und waren dann mit allen anderen um zwei Uhr nachts endlich da.
Wegen der nächtlichen Aktion wurde der nächste Tag mit bestem Wetter als Ruhetag deklariert, wir haben also nichts gemacht, als Unmengen zu essen.
Am nächsten Tag ging es dann los zum nächsten Gipfel, dem Pic Sella. Das Wetter war um vier Uhr morgens nicht unglaublich gut, aber OK. Eine Stunde später waren die Wolken dichter und es hat angefangen zu schneien, wiederum eine halbe Stunde später war die Sicht bei zehn Metern, massenhaft Schnee und starker Wind. Daher haben wir am Grat dann beschlossen das Ganze sein zu lassen und sind wieder zurück gestapft zur winzigen Hütte, wo wir den Rest des Tages verbracht haben, während draußen 30cm Schnee fielen.
Wieder einen Tag später, die Zeit wurde langsam knapp, starteten wir den zweiten Versuch für den Pic Sella, diesmal bei hervorragendem Wetter. Die Route sollte über einen Felsgrat zum Gipfel führen und insgesamt sechs Stunden dauern. Nachdem wir alleine etwa sechs Stunden auf dem Grat waren, begann ich die Anderen zu fragen, ob sie sich denn ganz sicher seien, dass wir hier richtig sind. Sie waren sich da alle sehr sicher, wie sich am nächsten Tag zeigte hatte aber ich Recht. Wegen der langen Verzögerung am Grat waren wir dann erst um kurz vor sieben am Gipfel, das sollte aber kein Problem sein, da der Abstieg über das Schneefeld schnell gehen sollte. Wie es aber so kommt, wenn wenig Zeit ist, man 16 Stunden nichts gegessen hat, Russen wir üblich auch nichts zu trinken haben, usw., kugelt sich Einer zehn Meter unter dem Gipfel die Schulter aus, was dazu führt, dass man endlose Sicherungsseile einziehen muss, dass man insgesamt langsam geht und am Ende im Dunkeln irgendwo in einem Geröllfeld steht. Also haben wir dort eine Biwak eingerichtet, was bis etwa ein Uhr nachts auch ganz akzeptabel war, dann hat allerdings extrem starker Wind eingesetzt, was den Rest der Nacht unangenehm gemacht hat. Um das Ganze noch zu perfektionieren war schon seit Mittag das Funkgerät ausgefallen, so dass auch Keiner wusste, wo wir stecken.
Am nächsten Morgen, kurz nach dem Losgehen, kamen uns dann auch von unten unsere Leute entgegen, die nach uns suchten. Nach dem Abstieg durch ein steiles Schneefeld, haben wir dann Tee und Schokolade bekommen und sind zurück in unser Hochlager gelaufen. Aufgrund der etwas anderen Nacht war dann auch dieser Tag wieder nicht zum Bergsteigen gedacht, so dass es bei nur zwei Gipfeln bleiben sollte.
Der Rückweg ins Lager Bezengi war wenig spektakulär, ich hatte mir nur in der kalten Nacht auf 3800m eine Erkältung zugezogen, die sich doch stark bemerkbar machte. Heute gab es dafür warmes Wasser in den Duschen – das erste Mal warmes Wasser seit sehr vielen Wochen.
Nach dem Zusammenpacken am nächsten Tag sind wir dann Mittags mit nur noch zwei Bussen (viele Leute sind vorzeitig nach Hause gefahren) zurück nach Naltschik gefahren um von dort mit einem großen Autobus zurück nach Nowotscherkassk zu fahren, wo wir um drei Uhr nachts waren. Den Rest der Nacht habe ich bei jemandem aus dem Bergklub verbracht und damit war die Reise dann auch vorbei.


Der russische Alpinismus ist immer noch so organisiert wie zu Sowjetzeiten. Ohne Bergklub kann man nicht in die Berge, in einen Bergklub kommt man nicht vor 14 Jahren.
Als Anfänger muss man dann ein paar Lehrgänge über sich ergehen lassen und zwei Berge der leichtesten Kategorie erklimmen und dann ist man Alpinist Russlands. Das Abzeichen ist äußerst begehrt und weil wir uns gut geschlagen haben sind jetzt auch wir drei Deutschen Alpinisten Russlands.
Auch der weitere Weg ist vorgezeichnet, Vorträge, Lehrgänge und Berge vorgeschriebener Kategorie, bis man weit genug ist, um selbst Gruppen führen zu können (sofern man so lange durchhält und nicht vorher durch Arbeit oder Sonstwas aufhört).
Durch das späte Beginnen mit dem Alpinismus ist aber auch bei höheren Gruppen Trittsicherheit, Orientierungssinn und allgemein das nötige Gefühl nicht wirklich stark ausgeprägt.


Nun noch der Absatz über die Technik und das Essen.
Russen sichern generell niemals über einen Achter oder ein anderen Gerät, sondern immer nur über einen Karabiner, was vollkommen unzureichend ist. Es wird zwar stets gesagt, dass das Seil ja über so viele Felsen läuft und daher die Bremswirkung hoch ist, zehn Meter vor/nach dem Stand ist ein Sturz aber niemals nur per Hand zu halten, wenn das Seil vollkommen frei läuft. Ebenso wird im Vorstieg nie eine Zwischensicherung gesetzt, was das ganze Seil recht überflüssig macht. Letztlich bin ich dann immer schön in der Mitte gegangen, wo das Seil fest eingezogen war und nichts passieren konnte.
Bei den Anfängergruppen war auch die Ausrüstung sehr abenteuerlich, den Seilen hätte ich nicht wirklich einen Sturz zugetraut. Bei den besseren Gruppen war das aber dann abgestellt.

Zu essen hatte ich in den zwei Wochen folgendes: Komisches Weißbrot, Fett in fester Form (noch mit Haut oben drauf), eine Mischung aus einem Drittel Milch und zwei Drittel Zucker, Buchweizengrieß, Zucker und gewöhnungsbedürftiger Wurst. Folglich kann ich jetzt weder Fett noch Zucker sehen, überhaupt habe ich die letzten drei Tage im Kaukasus nichts mehr gegessen, was mich auf ein Gewicht von 65kg gebracht hat. Überhaupt haben Russen noch nie was von ausgewogener oder abwechslungsreicher Ernährung gehört.


So, jetzt folgen noch Bilder – ich wollte eigentlich mehr schreiben, gerade fällt mir aber nichts mehr ein und überhaupt sind meine Sätze heute irgendwie unausgewogen.




Einer unserer kleineren Busse in Naltschik


Unsere ganzen Busse an dem Militärposten hinter Bezengi


Berge!


Der Hubschrauber im Anflug


Berge!


Pic Brno mit dem Gletscher


Berge um fünf Uhr morgens


Der Hang mit der abgegangenen Lawine


Christoph und Stefan verschwinden im Nebel


Das Bezengital vom Gletscher aus


Die Seitenmoräne


Berge im Nebel


Der Gletscher und die Bezengiwand


Das eine Ende der Bezengiwand


Die kleine Hütte (~20 Mann), in der aber nur die Ausbilder geschlafen haben


Wolken und Berge


Berge!


Ein mir nicht weiter bekannter Vogel


Der längste Gletscher des Kaukasus


Der höchste Berg der Region


Und der nächste Tag mit Schnee...


... und Wind


Aufstieg zum Pic Sella


Unsere Aufstiegsspur


Aussicht vom Start des Grats


Der Abstiegsgrat


Gemsen(?)


Der Gletscher beim Abstieg


Die Bezengiwand


Ich im Hauptlager


Jetzt ein paar Bilder mit einer anderen Kamera:


Meine Gruppe im Schnee


Ich knapp unterm Gipfel


Gipfel


Und der Grat

Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben. Aber die zweite liegt an dir und sonst niemandem.
 
     
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